Hier finden Sie eine Zusammenfassung verschiedener Fragen, die immer wieder an uns gestellt werden. Die Fragen sind sinngemäß verschiedenen Foren bzw. an uns gerichteter e-mails entnommen. Die Reihenfolge ist ohne Bedeutung. Die Antworten stellen unsere Erfahrungen, gestützt auf wissenschaftliche Veröffentlichungen, dar. Bitte lesen sie die Antworten sorgfältig. Kinder werden gebeten, etwaige Handlungen mit ihren Eltern abzusprechen. Bei Unsicherheiten sollte auf die Gabe bestimmter Pflanzen verzichtet werden. Zusätzliche Angaben zu Pflanzen finden Sie in der Pflanzenliste. Grundsätzlich gilt: jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich.

 

Wenn Kaninchen selektieren können: muss man dann eigentlich noch selbst Pflanzen beim Pflücken sortieren?

Können Kaninchen überhaupt noch selbst herausfinden, was gut und was schlecht für sie ist?

Alle Welt redet heute von "ad libitum". Was heißt das eigentlich genau und kann ich das mit meinen Kaninchen auch machen?

Ich habe gehört, Sämereien wären gut für Kaninchen. Kann ich die ihnen auch "ad libitum" anbieten?

Ich habe gehört, zu viel Knollengemüse ist nicht gut, weil es sehr viel Energie hat und Kaninchen davon dick werden. Muss ich Mohrrüben (Karotten) rationieren?

Ist Bärenklau giftig?

 

Frage: Wenn Kaninchen selektieren können: muss man dann eigentlich noch selbst Pflanzen beim Pflücken sortieren?

Nein, es muss nicht jede Pflanze einzeln überprüft werden. Allerdings sollte das frische Grün natürlich überwiegend aus fressbaren Pflanzen bestehen. Außerdem empfehlen wir, dass die Hälfte der gesammelten Menge aus Gräsern besteht. Die gesamte Menge sollte etwa dem Gewicht des Tieres entsprechen. Sollten sich in dieser Menge auch "giftige" Pflanzen befinden, werden diese liegen gelassen. Werden manche "Gift"-Pflanzen trotzdem gefressen, sollte man prüfen, ob sie überhaupt für Kaninchen giftig sind. Kaninchen fressen in geringen Mengen bewusst "giftige" Pflanzen. 1. weiß es nicht, dass der Mensch diese Pflanzen giftig nennt und sie ihm am liebsten entreißen würde und 2. nutzen diese dem Tier in bestimmten Fällen. Zusätzlich sollte immer Heu und Wasser zur Verfügung stehen.

Vorsichtshalber zur Wiederholung: Die Menge und Auswahl der Pflanzen ist für eine gesunde Fütterung entscheidend!

Siehe hierzu auch die Informationen auf der Seite Heilpflanzen.

 

Frage: Können Kaninchen überhaupt noch selbst herausfinden, was gut und was schlecht für sie ist? Hauskaninchen sind schließlich keine Wildkaninchen und das Selektionsvermögen ist doch bestimmt nicht mehr vorhanden?

Die Nahrungsselektion beruht auf dem Vermögen der Sinne (vor allem Riechen und Schmecken) sowie dem Bedarf des Organismus. Auch Menschen haben den "Instinkt" noch immer. Durch die Nahrungsmittelindustrie muss deshalb auch gelegentlich zu Tricks gegriffen werden, damit eine Nahrung durch den Menschen in größeren Mengen gegessen wird. Dies geschieht in der Regel durch Geschmacks- und Geruchsstoffe, die Nahrungsmitteln zugesetzt werden. Dadurch wird manches genießbarer oder attraktiver im Geschmack.

Das Kaninchen ist das "jüngste" Haustier, Belege für die Haltung gehen etwa 2000 Jahre zurück. Das ursprüngliche Europäische Wildkaninchen lebt heute nur noch in Spanien - man geht heute davon aus, dass alle anderen Wildkaninchen in Europa ehemaligen Gehegekaninchen entstammen, die durch den Menschen in Europa (und dem Rest der Welt) angesiedelt wurden. Die Verbreitung erfolgte durch Ausbruch aus Gehegen oder durch Aussetzen.

Entweichen heute noch Kaninchen, so gelingt ihnen (rasseabhängig) recht schnell eine Anpassung an die Umwelt und sie verwildern wieder. Allein diese Tatsache zeigt, dass Kaninchen generell über ausgezeichnete Sinne und einen ursprünglichen Instinkt verfügen. Ein zweiter Fakt ist (leider) die Nutzung von Kaninchen für verschiedene Versuche. Dadurch wurde und wird immer wieder bestätigt, dass selbst Generationen von Laborkaninchen nach wie vor über ein intaktes Selektionsvermögen verfügen. Letztlich können auch wir bestätigen, das fremde Tiere bei uns von Anfang an ein ganz natürliches Selektionsverhalten zeigen. Schon die Tatsache, dass ihnen immer eine große Menge arttypischer Nahrung zur Verfügung steht, gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Sinne auch sinnvoll einzusetzen.

Kaninchen an einer Eibe. Die Zweige im unteren, für Kaninchen erreichbaren Bereich, sind komplett weggefressen. Keines der Tiere hat je einen Schaden dadurch erlitten.

Kaninchen an einer Thuja. Auch dieser Lebensbaum wird regelmäßig befressen.

Bei rationierter Fütterung nutzen ihnen diese Fähigkeiten natürlich nichts mehr, weil sie dann fressen müssen, was da ist, um ihren Bedarf so gut es geht zu befriedigen.

 

Frage: Alle Welt redet heute von "ad libitum". Was heißt das eigentlich genau und kann ich das mit meinen Kaninchen auch machen?

"Ad Libitum" kommt aus dem Latein und bedeutet in der Tierernährung, dass ein Futter "ständig zur freien Verfügung" steht. Der Begriff wurde oft in englischer Fachliteratur mit der Abkürzung "ad lib" benutzt. Nach und nach fand er auch Eingang in die deutsche Literatur, hauptsächlich durch Übersetzungen. Benutzt wurde er, um Versuchs-bedingungen kurz und knapp darzustellen. Wurden Kaninchen unter verschiedenen Bedingungen mit Futtermitteln "ad lib" versorgt, wusste somit jeder, dass die Tiere es ständig zur Verfügung hatten - im Gegenteil zur rationierten Fütterung. Grundsätzlich ist für Heimtiere diese Art der Fütterung möglich - mit arttypischer Nahrung und unter arttypischen Haltungsbedingungen.

Pellets wurden unter anderem geschaffen, um Mast- und/oder Zuchttiere effektiv ernähren zu können. Von "arttypisch" kann hier keine Rede sein. Auf Grund der Energiedichte können sie nur rationiert angeboten werden.

Mit "Buntfutter" ernährte Tiere erhalten weder die nötigen Nährstoffe, noch haben sie die Möglichkeit irgendeiner Auswahl - höchstens die nach der Farbe. Die ist ihnen aber eigentlich recht gleichgültig...

Weicht man von diesen Bedingungen ab, können "Nebenwirkungen" eintreten. Nicht verwundern darf also, wenn man Tiere mit sehr energiereicher Nahrung wie Pellets ernährt, kaum Bewegungsmöglichkeiten vorhanden sind und dann diese Tiere verfetten. Selektionsvermögen heißt nicht, dass die Tiere sich grundsätzlich "figurbetont" ernähren. Vor allem falsches Futter, mangelnde Bewegung und Langeweile sind geeignet, Fettpolster entstehen zu lassen. Ebenso ist die heute salonfähig gewordene, grundsätzliche Kastration gesunder Tiere die Basis für Übergewicht.

"Ad libitum" für Kaninchen ist eigentlich nur sinnvoll bei einer Fütterung mit arttypischer Nahrung und einer Zusammensetzung, wie sie auch ihre wilden Verwandten finden und fressen. Im linken Diagramm ist beispielhaft die Nahrung einer typischen Kaninchenpopulation im Herzen Europas aufgeführt.

Fast das gesamte Jahr beherrschen Süßgräser sowie Blätter von Kräutern, Sträuchern und Bäumen (Dicotyladonae = Zweikeimblättrige) das gesamte Nahrungsangebot bzw. die gefressene Nahrung. Lediglich in den Monaten Dezember - März werden vor allem Holzschößlinge (frische Triebe) in größeren Mengen gefressen, da in dieser Zeit so gut wie keine Kräuter wachsen.

Diese Nahrung steht ihnen quasi "ad libitum" zur Verfügung - sie können fressen, wann und wieviel sie wollen. Wer also das Nahrungsangebot für seine eigenen Heimtiere nach diesen Aspekten ausrichtet, hat mit "Ad libitum" ganz sicher kein Problem.

Wer einen großen Teil der Nahrung mit anderen Futtermitteln ausgleicht/ausgleichen muss, sollte sich über diese informieren, um Defizite zu vermeiden. Dies gilt insbesondere bei einer Fütterung mit Heu und Gemüse.

 

Frage: Ich habe gehört, Sämereien wären gut für Kaninchen. Kann ich die ihnen auch "ad libitum" anbieten?

Die Antwort ist ein ganz klares "Jein".

Kaninchen regulieren zwar die Nahrungsaufnahme normalerweise nach ihrem Bedarf (Energie, Nähr- und Wirkstoffe), dieser Mechanismus kann aber durch eine Reihe von Faktoren "außer Kraft" gesetzt werden. Dazu zählen u. a. Haltungsbedingungen, das körperliche Wohlbefinden, Krankheiten und natürliches falsches Futter. Vor allem mit energiereicherem Konzentratfutter (z. B. Pellets, Buntfutter) wird das arttypische Aufnahme- und Fressverhalten weitgehend negativ beeinflusst.

Samen sind die "Energiespeicher" von Pflanzen und enthalten somit in hoher Konzentration Nährstoffe, die bestimmte Bedürfnisse sehr schnell mit einer kleinen Menge befriedigen. Normalerweise ist das kein Problem - wenn die Umstände passen. Damit sind die Haltung und das weitere Nahrungsangebot gemeint. Werden Hauskaninchen ähnlich wie Wildkaninchen gehalten und ernährt, fressen sie auch wie diese. Sie werden also hauptsächlich Gräser, Kräuter und Laub fressen und Samen als Ergänzung nutzen. Nur unter solchen Umständen ist auch die Ad-Libitum-Fütterung von Samen möglich.

Wir bieten unseren Tieren so gut wie möglich ihr arttypisches Futter an, das heißt, ab Februar werden auch zusätzlich wieder Gräser gesammelt, ab März kommen die ersten Kräuter wie Löwenzahn, Schafgarbe, Wiesen-Bärenklau, Klee, etwas Hahnefuss etc. hinzu. Trotzdem steht nach wie vor ein Trockenfutter zur freien Verfügung, welches z. B. Hafer enthält. Dies ist aber nur deshalb möglich, weil wir wissen, dass die Tiere nur noch mäßig davon Gebrauch machen, wenn sie ausreichend frisches Grün erhalten.

Wir empfehlen grundsätzlich, Samen zu rationieren. Die Menge sollte pro Tier 1 gestrichenen Esslöffel am Tag nicht überschreiten, egal, welche Sorte von Samen. Wie aus dem Diagramm in der vorherigen Antwort ersichtlich, stellen Samen nur einen geringen Teil der gesamten Nahrung dar. Als Ergänzung sind viele sehr wertvoll - aber in Mengen, die kontrolliert sein sollten. Ist das Tier, aus welchen Gründen auch immer, nicht dazu in der Lage, muss der Halter die Kontrolle übernehmen.

Kaninchenfütterung Anfang März...

Geeignete Samen sind z. B. Hafer und Gerste. Diese gehören zu den Süßgräsern und werden als Getreide genutzt. Interessant ist ihr hoher Gehalt an essentiellen Aminosäuren und Vitamin E. Hafer wird vor allem wegen seiner guten Eiweiß- und Fettverdaulichkeit geschätzt und früher als Heilpflanze genutzt. Besonders bei Darmerkrankungen spielt er auch heute noch eine wichtige Rolle.

Sonnenblumenkerne enthalten alle essentiellen Amino- und Fettsäuren. Sie sind sehr energiereich und sollten, wie bereits erwähnt, nur begrenzt eingesetzt werden. Weiterhin sinnvoll und sehr geschätzt sind z. B. Mariendistel- und Nachtkerzensamen.

 

Frage: Ich habe gehört, zu viel Knollengemüse ist nicht gut, weil es sehr viel Energie hat und Kaninchen davon dick werden. Muss ich Mohrrüben (Karotten) rationieren?

Zur Beantwortung dieser Frage muss man sich natürlich den Energiegehalt der Karotte ansehen - im Vergleich zu anderen, möglichst arttypischen Futtermitteln.

In der linken Tabelle sind die Werte für die verdauliche Energie [DE] verschiedener Pflanzen aufgeführt. Dabei handelt es sich also um die Energie, die das Kaninchen tatsächlich verwerten kann.

Vergleicht man die Werte, stellt man fest, dass normales Gras etwas weniger Energie; Kräuter wie Petersilie, Schafgarbe und Löwenzahn aber bedeutend mehr Energie als das Wurzelgemüse "Möhre" liefern.

Anhand dieser Zahlen lässt sich also leicht schlussfolgern, dass man eigentlich seinen Tieren die natürliche Nahrung rationieren müsste, damit sie nicht dick werden.

Wenn immer wieder behauptet wird, dass Knollengemüse Kaninchen "dick" machen würde, wie kann man dann diese Tiere eigentlich artgerecht ernähren? Kräuter gehören zur Grundnahrung der Kaninchen und liefern in der Regel wesentlich mehr Energie als das sagenhafte Knollengemüse "Karotte".

Diagramm: Vergleich der verdaulichen Energie DE in MJ. Wenn Möhren tatsächlich dick machen sollten, müsste das für Kräuter umso mehr gelten. Tatsächlich aber erfreuen sich Kaninchen, die arttypisch mit Gräsern und Kräutern ernährt werden, bei Normalgewicht bester Gesundheit.

Die Antwort auf die Frage, ob man Karotten rationieren sollte, ist also ein klares "Nein".

Unseren eigenen Tieren steht über das gesamte Jahr ein sehr energiereiches Trockenfutter zusätzlich zum frischen Grün ständig zur Verfügung. Dieses Trockenfutter enthält wesentlich mehr Energie als Möhre oder "Wiese". Trotzdem werden von unseren Kaninchen die frischen Gräser und Kräuter bevorzugt. Trotz des wesentlich höheren Energiegehaltes als den der Möhre leiden/litten unsere Tiere nie an Übergewicht. Möhre fressen sie auch im Winter freiwillig nur wenig - ihr Gehalt an Nähr- und Wirkstoffen ist im Vergleich zu anderen, artypischen Pflanzen wie Kräutern für sie schlicht uninteressant.

Ein weiterer Punkt in der Rationierung bestimmter, natürlicher Futtermittel für Kaninchen ist die Bereitstellung möglichst aller Nähr- und Wirkstoffe, die sie benötigen. Auch hier schneidet die Karotte bzw. Möhre im Vergleich zur "Wiese" eher schlecht ab. Das wäre aber wiederum die Antwort auf eine andere Frage.

 

Frage: Ist Bärenklau giftig?

Ja. Jedenfalls wird er als "Giftig +" geführt. Das bedeutet, dass es zu "klinischen Störungen nach Aufnahme grosser Pflanzenmengen" kommt - was auch immer unter "großen Pflanzenmengen" zu verstehen ist. Das lässt sich in der Datenbank des Instituts für Veterinärpharmakologie und -toxikologie Zürich, Schweiz, auch bekannt als "CliniTox", nachlesen. Die gleiche Einstufung gilt dort übrigens auch für Luzerne (Alfalfa), einer bevorzugten Futterpflanze von Kaninchen.

Der Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) ist eine einheimische Pflanze, während der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) ein Neophyt ist. Das heißt, er wurde aus dem Kaukasus eingeschleppt. Vor allem zu dieser Pflanze gibt es zum Teil erschreckende Horrormeldungen. Tatsächlich dokumentiert sind einige Fälle, in denen vornehmlich Kinder bzw. Jugendliche an sonnigen Tagen stundenlang auf Wiesen spielten, auf denen diese Pflanze sehr hoch wuchs oder zum Teil sogar mit den Pflanzen selbst. Nach einiger Zeit traten Hautausschläge auf, die zum Teil massiv waren und an Verbrennungen erinnern. Das heißt, durch einen sehr intensiven, äußerlichen Kontakt und der Einwirkung von Sonnenlicht kam es zur so genannten "Wiesen-Dermitis" in schweren Formen.

Bild rechts: Wiesen-Bärenklau im März

Aus diesem Grund wird die Pflanze als "Giftig" geführt, ebenso der einheimische Wiesen-Bärenklau - das heißt, die Giftigkeit beruht auf der "phototoxischen" Wirkung von Inhaltsstoffen dieser Pflanzen. Gelangt der Saft der Pflanze auf die Haut und es wirkt zusätzlich Sonnenlicht ein, kommt es zu den beschriebenen äußerlichen, toxischen Reaktionen. Aus diesem Grund wird auch Menschen geraten, sich nach dem Kontakt mit Bärenklau im Schatten aufzuhalten.

Die Inhaltsstoffe, die für diese Reaktionen verantwortlich sind, werden Furocumarine genannt und gehören zur Gruppe der Cumarine. Sie werden vor allem auch dann gebildet, wenn Pflanzen absterben und verleihen dem Heu seinen typischen Geruch.

Furocumarine dienen der Pflanze zur Abwehr von Fressfeinden und zur Hemmung von Infektionen, die durch den Befall der Pflanze von Mikroorganismen auftreten. Dazu gehören Stoffe wie z. B. Angelicin, Bergapten, Imperatorin, Isobergapten, Isopimpinellin, Phelopterin, Pimpinellin, Sphondin und Xanthotoxin. Zu finden sind diese Stoffe auch in anderen Pflanzen.

In der Volksmedizin wurde Wiesen-Bärenklau unter anderem bei Epilepsie eingesetzt. Dass dies heute nicht mehr der Fall ist, liegt an der Schwierigkeit, die Wirkstoffe (siehe auch Pflanzeninhaltsstoffe) genau und zuverlässig zu dosieren. Je nach Vegetationsphase schwanken die Gehalte ganz erheblich und so soll es früher sogar zu Todesfällen nach der Anwendung bei Menschen gekommen sein. Heute lassen sich solche medzinischen Produkte in hoher, gleichmäßiger Qualität herstellen. Auf Grund sehr unterschiedlicher Erfahrungen in Bezug auf die Phototoxizität der Pflanzen finden sich auch kontroverse Befunde in der Literatur. In Tierexperimenten wurde jedoch die Wirksamkeit der Inhaltsstoffe des Wiesen-Bärenklaus in niedrigen Dosen nachgewiesen: demnach haben sie eine beruhigende, entzündungshemmende, ödemhemmende und lymphetransportierende Wirkung. Außerdem wird die Krampfbereitschaft des Zentralnervensystems (ZNS) gegenüber krampfauslösenden Stoffen herabgesetzt.

Interessant ist dieser Fakt also in Hinblick auf den Einsatz der Pflanze bei Erkrankungen, die sich auf das ZNS auswirken bzw. Krämpfe auslösen. Dazu gehört z. B. die "Encephalitozoonose" (Head Tilt), eine Krankheit, die durch den Erreger "Encephalitozoon cuniculi", einem parasitären Einzeller, ausgelöst wird. Erfahrungen zeigen, dass sich Kaninchen bei freier Wahl des Bärenklaus in großen Mengen davon bedienen und sich ein Effekt auf den Verlauf der Krankheit feststellen lässt (Rühle & Stiess 2010). Hohe Konzentrationen wirken dagegen leber-, nieren- und herzmuskelschädigend sowie lähmend auf das ZNS. Als letale Dosis wurden für die Maus 196 mg/kgKG und für die Ratte 290-680 mg/kgKG gefunden (jeweils LD
50 p.o.). Es gibt also sehr große, artspezifische Unterschiede. Eine krebserregende Wirkung konnte nur in einigen Tierexperimenten mit extrem hohen Cumarin-Dosen gefunden werden, so z. B. Gallengangkarzinome (Lohs et al. (2009).

Tabelle: Vergleich der Furocumaringehalte im Wiesen- und Riesen-Bärenklau

Interessant ist der Fakt, dass der Furocumaringehalt in den Blättern des Wiesen-Bärenklau um das Doppelte höher als im Riesen-Bärenklau liegt. In den Wurzeln ist er vergleichbar, im Samen des Riesen-Bärenklau sehr hoch. Das heißt, das Verfüttern von Blättern beider Bärenklau-Arten stellt kein Problem dar. Auf Wurzeln und vor allem Samen sollte verzichtet werden.

Wir selbst bieten das Kraut vom Bärenklau (also die Blätter) immer im Gemisch mit anderen Pflanzen ad libitum an. Alte, abgeblühte Pflanzen werden aber nicht besonders geliebt.

Wird fortgesetzt...

Quellen:

Hänsel, R.; Keller, K.; Rimpler, H.; Schneider, G. (1993): Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. Drogen E-O. Bd. 5. Berlin, Heidelberg, New York: Springer. ISBN 3-540-52688-9

Kamphues, J.; Coenen, M.; Kienzle, E.; Pallauf, J.; Simon, O.; Zentek, J. (2004): Supplemente zu Vorlesungen und Übungen in der Tierernährung. Alfeld-Hannover: Schaper. 10., vollst. überarb. u. erg. Aufl. ISBN 3-7944-0205-7

Lohs, K.; Elstner, P.; Stephan, U. (2009): Fachlexikon Toxikologie. 4., überarbeitete Auflage. Heidelberg: Springer. ISBN 978-3-540-27334-9

Rühle, A. & Stiess, V. (2010): Auch Hauskaninchen fressen sich gesund. Selbstmedikation durch Futterselektion. Kaninchenzeitung 15. S. 12-13.