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Die "artgerechte" Haltung von Kaninchen ist ein oft diskutiertes Thema. In verhältnismäßig kurzer Zeit wurde aus dem Wildkaninchen ein domestiziertes Nutztier und schließlich ein Heimtier. Bei keinem anderen Haustier wurde wohl in so kurzer Zeit die Ernährung und Haltung weit abseits des natürlichen Vorbildes etabliert. Aus dem Grab- und Höhlentier wurde ein Heim- und Kuscheltier, mit dem viele Halter oft nach einiger Zeit überfordert sind - weil sie über Gewohnheiten und Bedürfnisse nicht ausreichend informiert sind.
Wer jemals die Gelegenheit hatte, Wildkaninchen in Freiheit oder Hauskaninchen in einem großen Freilauf zu beobachten, wird wissen, dass gängige Empfehlungen für eine artgerechte Unterbringung nicht geeignet sind. Tiere, die in der Lage sind aus dem Stand über einen halben Meter hoch zu springen, im Spiel Salti in der Luft zu drehen und aus dem Nichts plötzlich Sprints über 20 m hinzulegen, kann man nicht ein Leben lang einsperren, ohne ihnen etwas zu nehmen. Für die Unterbringung von Hauskaninchen gibt es keine gesetzliche Vorgabe - lediglich Empfehlungen. Auch in den 7 Jahren Regierungszeit von Rot/Grün von 1998 bis 2005 passierte in dieser Hinsicht nicht viel - das Dosenpfand war wichtiger. Mittlerweile gibt es Halter und auch Züchter, die versuchen, ihren Tieren ein möglichst naturnahes Leben zu ermöglichen.
Im folgenden soll kurz dargestellt werden, wie sich die Haltung unserer Tiere im Lauf der Zeit geändert hat. |
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Auf Grund eines "Versehens" von Tierärzten bei der Geschlechterbestimmung unserer ersten Kaninchen kamen wir mitten im Winter auch zu unseren ersten Jungtieren - drei Würfe innerhalb von 2 Monaten.
Die folgenden Wochen waren etwas turbulent, da wir auf solchen Zuwachs in so kurzer Zeit nicht vorbereitet waren. Die Wohnung wurde eng. Das große, extra gebaute Gehege im Garten wurde nur noch von den zwei "Übeltätern" bewohnt. Das dies nicht ewig so gehen konnte, war uns klar - Kaninchen mögen in der Wohnung süß aussehen, aber sie fühlen sich dort nicht wirklich wohl. Sie sind für ein Leben in der Natur gemacht - nicht für ein Leben auf Laminat zwischen Staubflocken in trockener Luft. Wir gewöhnten die Jungtiere langsam an ein Leben außerhalb der Wohnung. Ab einem Alter von 4 Wochen kamen sie täglich für ein bis zwei Stunden in das Gehege zu ihren Vätern. So lernten sie auch gleich den Schnee kennen...
Später wuchsen bei uns Jungtiere auf, deren Start ins Leben weniger aufregend, aber vom ersten Tag an unter weitgehend natürlichen Bedingungen stattfand. Wenn sie das Nest verlassen, wird die unmittelbare Umgebung erkundet. Sie fressen das, was sie vorfinden - frisches Grün und Heu und sie "hängen" an ihren Vätern, denen sie oft folgen. |
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Die Jungtiere lernen die Regeln des Lebens weitestgehend von den Rammlern und im Spiel miteinander. Frühzeitig bilden sich Rangordnungen, die eine wesentliche soziale Rolle spielen.
Die Nahrung ist vom ersten Tag an die, die sie in ihrer Umgebung vorfinden: vorrangig frische Pflanzen von der Wiese und zusätzliches Grün, welches von anderen Wiesen besorgt wird. Diese Nahrung ist sehr proteinreich - wichtig für ein gesundes Wachstum und ein starkes Immunsystem. Davon profitieren natürlich auch die älteren Tiere.
Die Nacht verbringen alle Tiere zu ihrem eigenen Schutz in Ställen, früh am Morgen können sie wieder in den Garten. Dies ist für sie mit keinerlei Stress verbunden - sie haben sich an den Ablauf gewöhnt. Heute suchen sie in der Regel selbst den Stall auf, der für sie jederzeit zugänglich ist. |
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Mit der Nahrungssuche auf der Wiese und dem zusätzlichen Angebot an Gras und Kräutern sind die Tiere einen großen Teil des Tages beschäftigt. Heu und Gemüse - die Notnahrung des Winters - lassen sie irgendwann "links liegen" - ebenso das Trockenfutter, was zur Verfügung steht.
Neue Tiere wurden bisher immer problemlos in die bestehende Gruppe integriert. Ausreichend Platz und vor allem kein Zwang ließen jedes Tier in die Gemeinschaft hinein wachsen.
Bei unseren Tieren handelt es sich um Zwergkaninchen, die als "Teddyzwerge" bekannt sind. Dies ist keine anerkannte Rasse. Sie erreichen ein Gewicht zwischen 1,0 - 2,0 kg. Die Tiere leben tagsüber auf einem Grundstück von etwa 200 m² Größe, das aus einer Wiese besteht, auf der verschiedene Gräser und Kräuter sowie einige Sträucher wachsen. Hauptsächliche Gräser sind Raygras (Weidelgras), Straußgras, Knaulgras und Rispengras. Als Kräuter sind hauptsächlich Löwenzahn, Schachtelhalm, Klee, Spitz- und Breitwegerich sowie Butterblumen vertreten. Außerdem wachsen auf dem Grundstück Buchsbäume, Ahorn, Eibe und Eiche.
Einige der aufgeführten Pflanzen werden oft als giftig bezeichnet. Auch wenn unsere Kaninchen gelegentlich von manchen dieser Pflanzen fressen, die Rinde abnagen oder Blätter vertilgen, gibt es keine Probleme damit. |
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Die Größe des Grundstückes und baurechtliche Gründe lassen eine massive Einzäunung/Absperrung als Schutz gegen Beutegreifer aus der Luft nicht zu. In unserer unmittelbaren Nachbarschaft leben Dachse, Wildschweine, Waschbären, Füchse, Marder und etliche Katzen, die eine Verbringung der Tiere für die Nacht in eine robuste und sichere Unterkunft zweckmäßig erscheinen lassen. |
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Die Ställe sind mit Kotwannen ausgestattet, die mit einer Lager Holzstreu und darauf Stroh ausgelegt werden. Das Stroh leitet Urin nach unten in das Streu ab und wird von diesem aufgesaugt - außerdem dient es in der kalten Jahreszeit als Isolierung. Die Kotwannen bestehen aus Kunststoff, was eine leichte und vor allem rückstandsfreie Säuberung ermöglicht. In jedem Stall befindet sich ein erhöhtes Sitzbrett, eine Kotschale sowie ein Fress- und ein Wassernapf. Aus Platz- und Handhabungsgründen sind die Stalltüren nicht mit Scharnieren befestigt, sondern können im Stall unter der Decke abgelegt werden. Somit sind sie bei der Reinigung oder Fütterung nicht im Weg. |
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In verschiedenen Studien wurde das tagesperiodische Verhalten von Wild- im Vergleich zu Hauskaninchen untersucht. Eine Zusammenfassung solcher Studien liefert Kraft (1976). Im Wesentlichen wird übereinstimmend darüber berichtet, dass Wildkaninchen einen periodischen Tagesrhythmus aufweisen. Das heißt, es gibt einen regelmäßigen Wechsel von Aktivität und Ruhe.
Die Baue werden etwa 1- 2 Stunden nach Ende der Morgendämmerung aufgesucht und erst wieder 1 - 2 Stunden vor der Abenddämmerung verlassen. Der Aufenthalt im Bau erstreckt sich somit im Wesentlichen auf die Zeit zwischen 6:00 und 19:00 Uhr - also etwa 13 Stunden des Tages. Von einigen, kurzen Unterbrechungen des Aufenthalts mancher Tiere ist die einzige Aktivität in dieser Zeit die Aufnahme von Blinddarmkot (Lockley (1964), zit. von Kraft (1976)). Ansonsten ruhen oder schlafen sie. Das Aufsuchen des Baues geschieht nicht unbedingt freiwillig: je nach Witterungslage kann der Aufenthalt im Bau gezwungenermaßen auch länger dauern, ebenso bei Anwesenheit von Fressfeinden oder Aktivitäten des Menschen. |
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Die Baue bestehen aus Röhren mit einem Maximaldurchmesser von ca. 20 cm - gerade so breit, das das Kaninchen darin Platz findet. Die Höhe des Wurfkessels in der Satzröhre kann bis zu 60 cm betragen und wird nur von der trächtigen Häsin genutzt.
Die Nahrungsaufnahme erfolgt in den Nachtstunden, mit einem Maximum jeweils am Morgen und am Abend.
Das Hauskaninchen zeigt diese typische Periodizität nicht sehr ausgeprägt - es ist mehr oder weniger 24 Stunden aktiv, mit wechselnden Phasen von Aktivität und Ruhe. Je nach Haltung verschieben sie die Aktivitätsmaxima. Hauskaninchen passen sich, wie alle Haustiere, den jeweiligen Haltungsbedingungen an. Da ihnen auch nachts genügend Nahrung zur Verfügung steht, spielt die Notwendigkeit der nächtlichen Nahrungssuche für sie keine Rolle. Die Hauptaktivitäten wie Revierkontrolle, soziale Kontaktpflege usw. finden am frühen und späten Nachmittag statt. Die Ställe für die Ruhezeiten bestehen aus Abteilen, die miteinander verbunden sind, die Länge beträgt 2,55 m, die Tiefe 0,85 cm. Den Tieren steht somit mehr Platz zum Ruhen und Schlafen zur Verfügung, als einem Wildkaninchen, die Zeit die sie in den Ställen verbringen, ist mit 8 Stunden deutlich kürzer als die Aufenthaltsdauer im Bau. 16 Stunden des Tages verbringen sie auf etwa 200m² Freilauf - der Wiese.
Da wir auch Kaninchen in der Wohnung hatten, können wir beurteilen, welche Haltungsform geeigneter ist. Diese Beurteilung lässt sich ganz einfach am Fitnesszustand und dem Verhalten der Tiere vornehmen. |
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Der tägliche Auslauf mit der verbundenen Bewegung an der frischen Luft stärkt das Immunsystem und befriedigt natürliche Bedürfnisse wie freie Nahrungssuche, Buddeln, Rennen, Ausruhen an beliebten, bevorzugten Plätzen und so weiter... |
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Zu bestimmten Dingen sind Kaninchen in Wohnungshaltung Zeit ihres Lebens gar nicht in der Lage... |
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Grundsätzlich fressen die Tiere das ganze Jahr alles, was auf dem Grundstück wächst. Ab dem Frühjahr erhalten sie zusätzlich frisches Grünfutter von verschiedenen Wiesen aus der Umgebung - pro Tier etwa 1 kg/Tag. Es enthält Gräser und Kräuter, die, je nach Wiese, das Angebot bereichern sollen. Zusätzlich werden verschiedene Äste und gelegentlich Laub verschiedener Bäume und Sträucher angeboten: z. B. Haselnuss, Eiche, Brombeere, Apfel, Nadelhölzer usw.; die Nahrungsbeschaffung nimmt etwa eine Stunde/Tag in Anspruch. Hauptsächliche Fresszeiten der Tiere sind der frühe Vor- und der späte Nachmittag. |
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Zusätzlich steht immer Heu, Stroh und Wasser zur Verfügung - außerdem ein Struktur-Trockenfutter. Die Tiere können sich jederzeit aus dem offenen Stall davon bedienen.
Warum noch Trockenfutter?
Die Tiere sind vollständig von uns abhängig - und das Futter suchen wir für sie aus. Da wir keine Kaninchen sind, wissen wir auch nicht, ob es das richtige ist. Denn Kaninchen wählen nicht nur nach Geschmack, sondern vor allem auch nach ihrem Bedarf die Nahrung aus. Deshalb sollte auch immer eine ausreichende Auswahl zur Verfügung stehen. Um eventuellen Defiziten vorzubeugen, stellen wir zusätzlich ein Alleinfutter zur Verfügung, welches alle Nährstoffe enthält, die ein Kaninchen theoretisch benötigt. (Wenn der Hersteller es als solches bezeichnet und deklariert, muss es auch diese Anforderungen erfüllen - laut Futtermittelverordnung).
Im Winter wird zusätzlich vor allem Grünes vom Gemüse (Kohlrabiblätter, Möhrenkraut, Sellerieblätter etc.), frische Kräuter (Basilikum, Dill, Petersilie etc.) und schließlich Gemüse (Möhren, Fenchel, Kohlrabi, Sellerie, Pastinake etc.) im Gemisch gefüttert. Die Mengen werden nicht abgewogen - grundsätzlich ist es immer mehr, als ein Tier fressen kann. Weiterhin erhalten sie Hafer, Sonnenblumenkerne und andere Sämereien. Diese Fütterung entspricht dem natürlichen Bedürfnis der Tiere, ihre Nahrung zu selektieren.
Sie werden zweimal im Jahr von einer Tierärztin kontrolliert und geimpft. Außerdem erhalten sie zweimal im Jahr eine Wurmkur. |
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Die Wohnungshaltung von Kaninchen ist nicht unkritisch - deswegen würden sie auch gern "Wiese kaufen". Ein großes Manko ist hierbei das "Mikroklima", also Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Zugluft, Staub usw., welches allgemein das Wohlbefinden und die Schleimhäute negativ beeinflussen kann. Besonders der Sommer ist, wenn der Trend so weiter geht, eine große Belastung für Wohnungstiere. Viele Wohnungen sind heute mit Laminat, Parkett oder Fliesen ausgelegt, was eine sichere Fortbewegung fast unmöglich macht. Rutschige Teppichbrücken, Schlingen in Teppichen oder Fransen bergen zudem die Gefahr von Verletzungen, ebenso wie freiliegende Leitungen und Stromkabel...(Fortsetzung im Buch)
Unter einer Haltung im Freien verstehen wir eine Haltung nicht ausschließlich in Ställen, sondern im Freien mit entsprechend großem Auslauf, der den Kaninchen die Möglichkeit bietet, ihren Bewegungsdrang auszuleben. Dies kommt einer wirklich artgerechten Haltung näher als eine Wohnungshaltung. Nebenbei verschafft ihnen diese Form der Haltung ein gestärktes Immunsystem, dass sie vor vielen Krankheiten schützen kann. Viele Halter ermöglichen ihren Tieren den ganzjährigen Aufenthalt an frischer Luft in Freigehegen. ...
Für die Außenhaltung von Kaninchen gibt es verschiedene Möglichkeiten. In jedem Fall sollten einige Dinge dabei beachtet werden:
- die Unterbringung muss sicher vor Beutegreifern sein - es müssen wind-, regen- und sonngeschützte Bereiche vorhanden sein - es muss ständig Futter und Wasser zur Verfügung stehen - die Unterbringung muss ausbruchssicher sein
Diese Bedingungen sind ein Minimum und erfüllen auch die sehr allgemeinen Forderungen im Tierschutzgesetz (TierSchG 2008): "Zweiter Abschnitt; Tierhaltung, § 2
Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, 1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen, 2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden, 3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen."
Es sollte immer ausreichend Platz für Bewegung und Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Dazu zählen Gelegenheiten zum Buddeln, Springen, Verstecken, Ausruhen sowie zum Knabbern und Nagen. Fehlen solche Dinge, kann es im Laufe der Zeit zu Verhaltensstörungen und gesundheitlichen Mängeln kommen.
Die Haltung von Kaninchen im Freien ist auch im Winter möglich. Grundsätzlich vertragen sie niedrige Temperaturen bis zu -15 Grad besser als Hitze. Sie sollten dann aber frühzeitig an die Außentemperaturen gewöhnt werden - September/Oktober wäre der späteste Zeitpunkt für ein "Aussiedeln". |
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Übertreiben sollte man es aber nicht... | |
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