...sind die Oase jedes Suchenden, der sich ein Kaninchen angeschafft hat und nun - nach dem Kauf - natürlich genaueres über diese Tierchen wissen möchte. Um Wissen zu scheffeln, bietet sich natürlich das Internet an. Viele Foren werben um Mitglieder, aber oft nicht um deren Meinungen. Diese sind meist fest vorgegeben und Abweichungen davon werden kaum geduldet. Auffällig ist, dass die Meinungshoheit oft in Foren festgelegt ist, die "Rettung", "Tierschutz" oder ähnliche, rechtlich nicht schützbare Begriffe in ihrem Namen tragen. Als Gipfel wird dann natürlich auch noch etwas von "artgerecht" hingeschrieben - weil es so schön klingt. Das ist die Fassade - dahinter sieht es dann meist recht trübe aus. Üblich ist es, die natürliche Nahrung der Kaninchen vorzustellen und im nächsten Satz auf Heu und Gemüse als Hauptnahrung der Kaninchen zu verweisen. Der Widerspruch wird entweder nicht bemerkt oder einfach ignoriert. Wer will es sich schon schwer machen mit der Nahrungsbeschaffung? Heu und Gemüse ist die einfachste Art, ein Kaninchen zu ernähren - und auch krank zu bekommen. Merkwürdigerweise sind bei Diskussionen entweder alle Tiere der Forenvertreter gesund oder sie wurden gerettet und Zeit ihres Lebens dazu verdammt, krank zu bleiben. Als Grund müssen dann die frühere Ernährung oder der Züchter herhalten.

Schauergeschichten von Erlebnissen werden gern genommen und als "Wichtig" fest angepinnt - da wird von schlimmen Erfahrung mit Getreide berichtet, Kaninchen, die angeblich Pellets durch die Nase einziehen oder von Massenvergiftungen wegen Grünfütterung. Bei Nachfragen bekommt man zwar viel zu "hören", aber nie ein Obduktionsergebnis als Bestätigung der unglaublichen Begebenheit zu sehen.

Heute bleibt eigentlich nur ein Forum, dass man empfehlen kann: Degupedia. Klingt zwar nicht nach Kaninchen, ist aber auch in Bezug auf diese Tiere sehr informativ. Es gibt keine Dogmen oder Verschwörungstheorien, keinen Züchterhass oder Halterbashing. Angeschlossen ist eine Wiki, die über die verschiedenen Tierarten informiert und die ständig erweitert und bearbeitet wird.

Hier sollen nun einige "Weisheiten", die mir auf den Streifzügen durch diverse Foren begegnet sind, eingegangen werden.

„Im Heu ist alles drin, was ein Kaninchen braucht…"
Woher will man das wissen? Keiner kennt die Zusammensetzung seines Heus. Wer heute eine Tüte Heu X von Hersteller Y kauft, bekommt morgen nicht die gleiche Tüte von Hersteller Y, da das Heu nun einmal aus verschieden Regionen kommt und zu verschiedenen Zeiten geerntet wird - die Lieferanten sind über ganz Europa und Deutschland verstreut. Von Heu weiß man nur relativ sicher, was nicht drin ist: nämlich über 50% der ursprünglichen Nährstoffe und das Wasser. Keiner kann auch nur annähernd eine verlässliche "Deklaration" seines Heus geben, wie sie für Futtermittel üblich ist. Wenn man also nicht weiß, was eigentlich im Heu drin ist, woher will man dann wissen, das alles drin ist?

„Heu ist gut für den Zahnabrieb"
Ja, natürlich - wie jedes andere Futtermittel auch - vor allem artgrechtes Futter. Für den Zahnabrieb ist die Dauer des Kauens ausschlaggebend. Wasserreiches Futter wie die natürliche Nahrung von Wildkaninchen muss in großen Mengen aufgenommen werden. Das erfordert ein langes Kauen und bedingt ebenso den Zahnabrieb (siehe auch Aufnahmezeiten verschiedener Futtermittel - Rohfaser). Er ergibt sich unter anderem aus dem Abrieb der Zähne an ihren jeweiligen Gegenspielern im gegenüberliegenden Kiefer und bestimmten Mineralien in den Pflanzen.

„Heu ist gut für die Verdauung"
Heu gilt auf Grund seines sehr hohen Rohfasergehaltes als „diätisches" Futtermittel. Wegen seines geringen Wassergehaltes ist es über einen längeren Zeitraum als Hauptfutter jedoch eher schädlich, außerdem schränkt die geringe Verdaulichkeit auch die Verwertung anderer Nährstoffe ein. Die Verdauung kann bis zur Verstopfung beeinträchtigt werden. Die nötige, zusätzliche Wasseraufnahme ist nicht gewährleistet - d. h., die Tiere trinken nicht freiwillig so viel, wie sie müssten. Durchfallerkrankungen und ME (Mukoide Enteritis) können unter anderem durch zu hohe Rohfasergehalte im Futter auftreten (siehe auch Rohfaser).

Besonders abzuraten ist von so genannten „Heu-Tagen", wie sie leider auch von Tierschützern empfohlen werden. Dies entspricht quasi einer Diät in der Diät - ist also völlig sinnfrei. Neben dem Mangel an Flüssigkeit wird die Gefahr einer Verstopfung noch verstärkt, wenn die Tiere wieder Frisches erhalten und sich überfressen. Das menschliche Denken zum „Entschlacken" auf Tiere zu übertragen ist in dieser Hinsicht albern, dumm und gefährlich - wegen einer ganzjährigen Heu-/Gemüsefütterung muss nichts „entschlackt" werden - eher im Gegenteil. Außerdem wird die Gefahr von Durchfallerkrankungen eher noch größer.

"Heu ist wichtig für den Nachschub von Nahrung"
Das ist falsch. Der Weitertransport der Nahrung erfolgt bei artgerechter Ernährung durch das große Volumen der Nahrung (bedingt durch das Wasser). Heu sorgt zwar wegen der gröberen, unverdaulichen Fasern für eine schnelle Darmpassage, aber es fehlt das Volumen für den Weitertransport, außerem wird die Aufnahme durch den hohen Rohfasergehalt eingeschränkt.

„Die Rohfaser ist wichtig"
Der Rohfasergehalt der natürlichen Nahrung von Kaninchen beträgt weniger als 10% - und zwar auf Grund des hohen Wasseranteils in der Nahrung. Der Rohfasergehalt, der heute als Empfehlung in Futtermitteln angegeben wird, bezieht sich auf Fertigfuttermittel wie Pellets deren Wassergehalt kleiner als 10% ist. In diesen sind die Bestandteile klein gemahlen. Über die Menge an Rohfaser wird versucht, die fehlende Struktur (der natürlichen, erhaltenen Rohfaser in Pflanzen) auszugleichen. Dazu ist ein Gehalt von etwa 14 - 16% nötig. Rohfasergehalte über 22% jedoch sind der Gesundheit auf Dauer eher abträglich (Fekete 1993). Der Rohfasergehalt von Heu liegt je nach Beschaffenheit bei 20 - 35% - ist also für ein Hauptfutter viel zu hoch.

„Mein Kaninchen mag Heu, es frisst wie verückt davon"
Ja, was sollte es denn sonst tun?!

Um sich mit nötigen Nährstoffen zu versorgen, muss es ja das fressen, was ihm zur Verfügung steht/gestellt wird. Wenn als Hauptbestandteil Heu zur Verfügung steht und als Zugabe etwas Gemüse, muss das Tier dieses fressen, um a) satt zu werden und b) sich mit lebensnotwendigen Nährstoffen zu versorgen. Beides ist durch die lebenslange Fütterung mit Heu und Gemüse auf Dauer jedoch nur zweifelhaft gewährleistet. Kaninchen fressen von einem rohfaserarmen, energiereichem Futter weniger als von einem rohfaserreichem, energiearmen. Es versucht, seinen Nährstoff- und Energiebedarf auf einem gleichmäßigem Level zu halten. Mit Heu gelingt das nur bedingt (je nach Qualität), da es mehr Trockenmasse aufnehmen muss, um den geringeren Nährstoff- und Energiegehalt im Heu durch Mehraufnahme zu kompensieren. Zwergkaninchen schaffen das nicht, weil ihre Aufnahmekapazität beschränkt ist.

"Mit 80% Heu und 20% Gemüse ist ein Kaninchen gut versorgt"
Es gibt nicht nur diese unsinnige "Regel", die sich so beharrlich hält. Fast jedes Forum, welches "Kaninchenschutz" im Eingangsbereich stehen hat, verbreitet diesen Unsinn ohne fachlichen Hinterund. Erweitert wird diese "Regel" meist noch durch die Vorgabe für Gemüse von 100g/kg Körpergewicht. Ohne die würde auch die erste Regel keinen Sinn machen, da von den gleichen Rechenkünstlern ein Heuverfütterung "ad libitum", also Heu ständig zur freien Verfügung, empfohlen wird. Das macht dann eigentlich die 80% überflüssig. Offensichtlich hat sich nie jemand die Mühe gemacht, eine "Logik" in diesen Empfehlungen zu finden. Das dürfte allerdings auch sehr schwer fallen.

Erfreulicherweise gibt es im Bereich des Tierschutzes natürlich auch Beispiele, die sich eher an der Natur der Tiere orientieren als an makaberen und willkürlichen Regeln von Menschen. Dazu zählen z. B. www.kaninchenpflegestation.de, kaninchenrettung.de und www.hasenhaus-im-odenwald.de. Erwähnenswert ist auch die Organisation www.schueler-fuer-tiere.de.

"Ich habe schon unzählige Kaninchen "gerettet", also weiß ich, wovon ich rede..."
Es gibt kein Argument, welches schamloser ausgenutzt wird als dieses. Begleitend wird von manchen VertreterInnen auch gern noch auf ein laufendes Studium o. ä. hingewiesen, welches wohl Kompetenz vermitteln soll. Leider ist das oft nicht der Fall, eher das Gegenteil.

Die Argumente solcher Koryphäen lassen sich recht einfach nachprüfen, indem man um Quellen für Aussagen bittet, die der Logik zu widersprechen scheinen. Bekommen Sie keine oder nur vage Angaben, lassen Sie besser die Finger von dem betreffenden Forum.