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Die Haltung von Heimtieren ist zu einem beliebten Hobby geworden. 2009 lebten ca. 5,6 Mio. Kleintiere (ohne Katzen und Hunde) in 5,4% der deutschen Haushalte. Für diese Tiere wurden insgesamt 123 Mio. für Futtermittel ausgegeben (Hauptfutter/Snacks). Dieser Markt ist also nicht unbedeutend und so verwundert auch nicht, dass die verschiedenen Futtermittel eifrig beworben werden. Gelegentlich wird dabei auch Trends gefolgt, die aus den Tiefen des Internets kommen - einer davon ist z. B. das "getreidefreie" Trockenfutter. Private Futtershops werben eifrig damit, dass alles getreidefrei daher käme und somit absolut gesund für Kaninchen sei. Dafür wird beispielsweise Sojabohne als Mehl eingemischt, gebacken oder verpresst - die Frucht einer Pflanze, die das Europäische Wildkaninchen gar nicht kennt bzw. frisst. |
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Den meisten Menschen ist ein tiefes Bedürfnis nach Sicherheit eigen - auch in ihrer eigenen Ernährung. Das gilt ebenso für die Tiere, die sich viele halten. Beim leisesten Anzeichen von Gefahr wird reagiert: gilt ein Futterbestandteil als bedenklich, wird jede Packung sofort und akribisch auf diese Substanz untersucht. Listen mit der Beurteilung von möglichen Futtermitteln/-pflanzen wie "unbedenklich", "selten füttern" oder "nie geben" werden erstellt, kopiert und verteidigt, als würde jede die absolute Wahrheit enthalten. Jeder Verein, der sich dem "Kaninchenschutz" widmet, verwaltet solche Listen - und jede enthält mehr oder weniger groben Unfug. Geschuldet ist dies schlicht und ergreifend dem Fakt, dass man sich nicht mit dem Thema selbst beschäftigt, sondern einfach irgendwelche "Weisheiten" übernimmt. Das geht schnell, ist einfach und lieber warnt man zuviel, als zuwenig. Wird davon abgewichen, setzt man sich schnell dem Vorwurf der "Leichtfertigkeit" aus - und man will doch seinen Liebling nicht in Gefahr bringen, oder? Füttern sie Kohl? Na ja, das kann man sicher machen - aber Kohl bläht! Es kann also auch schief gehen und wenn Sie Ihr Tier lieben, lassen Sie ihn besser weg! Sie füttern Möhrengrün? OK, aber das enthält entsetzlich viel Kalzium! Gerade "Blasenkandidaten" könnte das nicht gut bekommen. Also lassen Sie es besser weg! Klee? Bläht! Zuviel Grün? Durchfall droht! Getreide? Verklebt den Darm! Kräuter? Ja, aber nur in Maßen, sie verlieren sonst ihre Wirkung! Im Trockenfutter ist Melasse? Abfall und zuviel Zucker! Wollen Sie das Ihrem Tier wirklich zumuten? Und so weiter und so fort
Wird ein Pflanzenwirkstoff als schädlich identifiziert, werden sofort alle Pflanzen danach gescannt und pauschal verdammt. Solanin in Kartoffeln? Giftig! Also gibt es keine Kartoffeln. Protoanemonin? In Hahnenfußgewächsen enthalten, also giftig. Wiesenbärenklau hat eine phototoxische Wirkung - das heißt, bei Hautkontakt mit dem Pflanzensaft und durch den Einfluss von UV-Licht können bestimmte Hautreaktionen hervorgerufen werden. Da er wegen dieser Eigenschaft als giftig" in diversen "Datenbanken" geführt wird, darf er halt auch nicht verfüttert werden, obwohl es ganz erstaunliche Erkenntnisse zum Verzehr z. B. bei Erkrankungen wie EC gibt (Rühle & Stiess 2010). Überhaupt ist alles giftig und am besten ist es, man lässt das alles weg - zu groß ist die Gefahr, dass ein Zipfelchen Hahnenfuss erwischt wird
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Aber Heu ist gut!!!??? |
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Ein Kaninchen sollte Heu fressen, soviel es kann und wenn es nicht will, wird es halt gezwungen. Das man so gut wie nie weiß, was das Heu eigentlich enthält, ist merkwürdigerweise unwichtig. All die vorab genannten Probleme verlieren auf einmal ihre Wichtig- und Dringlichkeit, wenn es um Heu geht. Keine Warnhinweise, keine Bedenken - NICHTS! Heu scheint in jeder Form völlig unbedenklich. Man könnte meinen, das gerade der Fakt, dass man absolut nichts über seinen Inhalt weiß, das Beruhigende wäre: was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Offensichtlich verbindet sich der Begriff "Heu" mit etwas, was pauschal unbedenklich ist und mal eben empfohlen werden kann. Tierschützer und Tierärzte suggerieren, dass ein Halter all seine Probleme mit seinem Kaninchen los wäre, so lange es nur Heu frisst - egal, woraus es besteht und was es enthält. Dafür wird tapfer gegen 1% Melasse in Trockenfutter gekämpft, gegen Getreide und gegen andere Pflanzen, die angeblich schädlich wären. Dass die natürlich in vielen Heusorten enthalten sind, spielt gar keine Rolle. |
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Dafür haben es merkwürdigerweise besonders jene Halter schwer, die in der Vegetationszeit ihren Tieren frisches Grün, also die arttypische Nahrung von Wiesen holen. Sie müssen 1000 Fragen beantworten, wie sie denn die Sicherheit Ihrer Tiere wegen dieser gefährlichen Vorgehensweise sicherstellen. Sind die Wiesen "hunderein"? Wurden eventuell vorhandene Bakterien und Viren auf den Pflanzen durch Waschen beseitigt? Befinden sich Schadstoffe in den Böden, auf denen das gesammelte Grün wächst? Wurde der erforderliche Mindestsammelabstand von 100 Metern zu Straßen und Wegen eingehalten? Fällt auch kein saurer Regen auf die Sammelstelle? Befinden sich keine genversuchsverseuchten Felder im Umkreis von 500 km? Ist die Sammelgegend garantiert frei von Füchsen und Wildkaninchen?
In der Regel werden Antworten auf diese Fragen von jenen gefordert, die Kaninchen weit ab ihrer Bedürfnisse ernähren. Für Heu gelten solche Bedingungen selbstredend nicht, denn das kommt ja vom Bauern und ist somit absolut unbedenklich. Wie der es allerdings schafft, seine Wiesen frei von jeglichen Umwelteinflüssen zu halten, wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben.
Den "Wiesensammlern" dagegen schlägt oft ein rauer Wind entgegen. Ihnen seien hiermit die Argumente geliefert, warum sie eigentlich alles richtig machen. Eigentlich wissen sie aber selber, warum ihre Tiere gesund und die, von jeglichen Unsicherheitsfaktoren ferngehaltenen Kaninchen, seltsamerweise oft krank sind. |
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Heu ist das Brot der Kaninchen. Alles, was ein Kaninchen braucht, ist Heu, Heu und nochmals Heu.
Es gibt wohl keine Aussage, die den Kaninchen in der heutigen Heimtierhaltung so sehr schadet, wie diese. Ursprünglich war Heu als Beifutter gedacht, welches immer in ausreichender Menge (ad libitum) zur Verfügung stehen sollte. Für die Zucht in ihren Anfangszeiten war es die Beilage zu einem hochwertigen Hauptfutter, ansonsten sollte es die Tiere in ihrer reizarmen Umgebung beschäftigen. Im Winter wurden früher Wildkaninchen Heu ausgelegt, damit sie durch die Jahreszeit kommen, wenn sie besonders hart war.
Die wesentlichen Nachteile für den Einsatz von Heu als Hauptfuttermittel, wie er heute in der Heimtierhaltung praktiziert wird, liegt in seinem geringen Nährstoffgehalt, dem fehlenden Wasser und dem daraus resultierenden hohen Gehalt an Rohfasern. Diese sind zudem überwiegend schwer verdaulich sind, weil die löslichen Kohlenhydraten durch die Trocknung verschwunden sind. Heu ist in zermahlener Form auch der Ausgangsstoff für Trockenfutter, die jedoch mit den fehlenden Nährstoffen ergänzt werden.
Heu enthält üblicherweise weniger als 10% Feuchtigkeit, bis zu 35% Rohfaser, 20% Protein, 3% Fett, 1,5% Calcium, 10% Zucker und 4% Stärke. Diese Angaben schwanken ganz erheblich auf Grund der Zusammensetzung (Standort, Art und Alter der Pflanzen, Zeitpunkt der Ernte, Transport- und Lagerungsbedingungen etc.), weshalb vor allem in Bezug auf den Gehalt an essentiellen Pflanzenwirkstoffen wie Vitaminen keine verlässlichen Angaben getroffen werden können. Heu ist eigentlich eine große "Unbekannte" - das sollte man immer bedenken.
Eine Möglichkeit, diese "Unbekannte" etwas transparenter zu gestalten, ist die Verwendung bekannter, getrockneter Pflanzen und ihre Zusammenstellung in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Auf diese Weise lässt sich im bestimmten Maß sogar ein Nutzen für die Tiere erzielen. Dabei sollte man aber nicht wahllos Pflanzen mischen, weil sich sonst bestimmte Wirkungen nicht ergänzen oder gar aufheben können - im schlimmsten Fall richten sie Unheil an. In jedem Fall muss den Tieren aber jederzeit frisches Wasser zur Verfügung stehen und bevor man getrocknete Pflanzen gibt, sollte man versuchen, diese in frischer Form zu besorgen. |
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Melasse ist schädlich.
Wenn jemand Heu als Brot der Kaninchen anpreist und behauptet, Melasse sei schädlich, muss man ihn fragen, was er eigentlich über das weiß, worüber er fabuliert. Wenn man zudem behauptet, Melasse wäre ein "Abfallprodukt ", wäre eigentlich auch die Frage nach seiner Einstellung zur Natur erlaubt, denn nur weil der Mensch eine Pflanze in ihre Bestandteile zerlegt, von denen er einige für sich nicht nutzt, sind diese noch lange nicht als Abfall zu bewerten. Geeignet wäre eher eine Formulierung wie: "vom Menschen nicht genutzt". Was nach der "Ausschlachtung" besonders zuckerhaltiger Pflanzen übrig bleibt, ist mitnichten "Abfall", sondern etwas, was in Pflanzen natürlicherweise vorkommt und was auch der Mensch im hohen Maß konsumiert - eben Zucker. Melasse selbst enthält noch etwa 50% davon. Wird einem Futtermittel also aus technologischen Gründen 1% Melasse zugefügt, erhöht das den Zuckeranteil in diesem um 0,5%. Wenn man sich vor Augen führt, dass Heu sowieso etwa 10% Zucker enthält, sei die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Verurteilung von 0,5% aus Melasse also durchaus und berechtigterweise gestellt. |
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Trockenfutter ist schädlich.
Selbstverständlich - aber warum soll dann Heu "das Brot der Kaninchen" sein?
Heu ist nichts weiter als ein Trockenfutter. Allerdings ist es nicht deklariert, man kennt die Zusammensetzung nicht und man weiß nichts über seine Inhaltsstoffe. Trockenfutter gibt es in den verschiedensten Variationen: neben dem Heu als wichtigsten Trockenfutter existieren zahlreiche Ver- und Bearbeitungen davon. Hauptsächlich wird es gemahlen (Grünmehl), mit verschiedenen Stoffen vermischt und anschließend wieder gepresst. Resultat sind zum Beispiel "Pellets" oder auch "Futterblöcke".
Mittlerweile versuchen sich auch private "Bäckermeister" mit der Herstellung solcher seltsamen Kreationen, die mit arttypisch nichts mehr zu tun haben. Letztendlich unterscheiden sich diese kaum von den Presserzeugnissen der Futtermittelindustrie. Die privaten Brikett-Hersteller übersehen bei ihren Futter-Experimenten aber schlicht eine Tatsache: sie kopieren die Fehler der großen Futtermittelhersteller und verkaufen somit auch die Folgen dieser Fehler gleich mit. Zudem werden teilweise Rohstoffe zu bimssteinartigen Gebilden geformt, denen sich ein Kaninchen nur dann widmet, wenn die Not so groß ist, dass es keine andere Wahl mehr hat: Banane, Holzmehl, Sojamehl und weitere Ingredienzien, die einen nur noch sprachlos machen. Insgesamt erinnern manche der phantasievollen Produkte eher an getrockneten Holzleim und ähnlich wird wohl auch die Wirkung im Darm der Tier sein.
Tiere, die sich eigentlich vorrangig von den Blattspitzen grüner Landpflanzen ernähren, werden von ahnungslosen, privaten Plätzchenbäckern mit Produkten zugemüllt, die sogar die der Futtermittelindustrie toppen: bei denen darf der Halter zwischen grün, orange, rot, blau und gelb wählen, in der Form stehen Stäbchen, Kringel und Ringe zur Auswahl - das Auge kauft schließlich mit. Die privaten Keksbäcker erfreuen das Halterherz außerdem mit zusammen gepappten Pflanzenresten in Herzform. Das Kaninchen darf wählen zwischen ungesund, gesundheitsschädlich, eigentlich nicht fressbar und letztlich ungenießbar. |
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Bild 1: Wenn alles so schön bunt ist - wer greift sich da nicht gern die Schippe und schaufelt mitten hinein in's Vergnügen? | |
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Geradezu trist erscheinen einem da die Produkte für das Kaninchen des Mästers oder Züchters, obwohl die Machart eigentlich genau die gleiche wie die der privaten Brikett-Hersteller ist: Mehle, die durch verschiedene Prozesse zu harten Stäbchen gebunden werden. |
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Bild 2: Pellets - tristes Einheitsfutter für Kaninchen | |
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Wieso ist nun eigentlich Trockenfutter in den verschiedenen Formen schädlich - sei es von privaten oder industriellen Herstellern und warum sollte man diese seinen Kaninchen nicht zumuten?
Normalerweise nehmen Kaninchen Pflanzen - sei es in getrockneter oder frischer Form - mit einer bestimmten Struktur auf. Damit ist gemeint, dass die Pflanzen nicht zerstört wurden. Das Kaninchen ist gezwungen, diese Pflanzen bis zu einer bestimmten Größe zu zerkleinern, um sie abschlucken zu können. Im Maul wird die Nahrung eingespeichelt und landet im Magen, wo sie schichtweise eingelagert wird. Der Magen ist nur schwach bemuskelt, weshalb der Nahrungsbrei kaum durchmischt wird. Durch die nachrückende Nahrung und dem Magenpförtner, einem Muskel am Magenausgang, wird der Nahrungsbrei weiter in den Darm befördert.
Hier besteht bereits ein wesentlicher Unterschied zwischen "Frisch" und "Getrocknet": mit frischer Nahrung wird sehr viel Nahrung stetig nachgeschoben, mit getrockneter relativ wenig, weil ja das Nahrungsvolumen durch das fehlende Wasser wesentlich kleiner ist. |
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Bild 3: Vergleich des Volumens von Heu und frischem Grün, welches jeweils die gleiche Trockenmasse enthält | |
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Wenn ein Tier 100g Trockenmasse eines Futters aufnimmt, so frisst es mit Heu insgesamt 111g, mit frischem Futter dagegen 667g.
Das bedeutet schlicht und ergreifend, dass - nur durch den Gehalt an Wasser in der Nahrung bedingt - ein 2kg schweres Wildkaninchen sechs Mal mehr Masse an Futter aufnimmt als ein 2kg schweres Hauskaninchen, welches hauptsächlich mit Heu ernährt wird. Dabei nehmen selbst mit Grünfutter ernährte Tiere noch zusätzlich Wasser auf. Aus dem Grünfutter wird vom Körper viel Wasser entzogen, welches für physiologische Verdauungsprozesse unentbehrlich ist. Aus Heu ist das kaum noch möglich. Der Magen- und Darmtrakt des Kaninchens ist nur schwach bemuskelt, weshalb er auch auf den Nachschub frischer Nahrung angewiesen ist. Ist diese sehr trocken, kann es zum Stillstand des Nahrungsbreis kommen, weil die Darmperistaltik nicht mehr in der Lage ist, die Nahrung weiterzutransportieren.
Verstopfung oder Blähungen - mit zuviel trockenem Futter eigentlich vorprogrammiert
Der Nahrungsbrei durchwandert den Darm und landet schließlich am "Fusus coli", einem Bereich im Dickdarm, der nur bei "Lagomorpha", also "Hasenartigen" wie Kaninchen vorhanden ist. Hier werden grobe, unverdauliche von kleinen, besser verdaulichen Teilchen getrennt. |
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Bild 4: Verdauungstrakt des Kaninchens (Ausschnitt) | |
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Nur Teilchen, die kleiner als 0,3 mm sind, werden zurück in den Blinddarm befördert, wo sie von Bakterien genutzt werden und den "Blinddarmkot" bilden, während die größeren, schlechter verdaulichen Teilchen relativ schnell zum Darmausgang befördert und ausgeschieden werden.
Damit wird ein weiteres Problem deutlich: je feiner ein Futter vermahlen ist, umso verdaulicher wird es. Ist der Anteil an diesen kleinen, hoch verdaulichen Teilchen (also z. B. Mehlen) sehr hoch, wandert auch ein sehr großer Teil in den Blinddarm. Somit vergrößert sich die Menge an Bakterien im Blinddarm und deren Ausscheidungen. Davon profitieren auch Bakterien, die eigentlich nur in sehr geringer Zahl im Darm zu finden sind: so genannte pathogene bzw.. "krankmachende" wie z. B. Clostridien. Diese scheiden Gifte aus.
Besteht die Nahrung also aus einer größeren Menge kleiner Bestandteile wie Mehlen oder zermahlenen Teilchen, auch wenn sie zusammen gepresst wurden, steigt die Gefahr für Darmerkrankungen. Durch die gebundene bzw. gepresste Form muss das Kaninchen die feinen Teilchen zum Beispiel aus Mehlen mit fressen - liegen sie jedoch in freier Form vor, werden sie von den Tieren gemieden. Aber einer bestimmten Teilchengröße verweigern Kaninchen vollständig die Aufnahme, und das aus gutzem Grund. Instinktiv weiß es, dass dieses kleingemahlene Futter schadet. Zusammengebacken in irgendwelchen phantasiereichen, bunten Produkten hat es diese Wahl aber nicht mehr.
Wer sich übrigens über "dicke" Tiere wundert, obwohl sie relativ wenig fressen, sollte sich Gedanken über die "Struktur" seines Futters machen. Die Teilchengröße und somit auch Verdaulichkeit sind Faktoren, die über das Gewicht bzw. die Masse eines Tieres mitentscheiden. Inzwischen gibt es auch "strukturierte" Trockenfutter - damit ist nichts weiter gemeint, als dass ihre Bestandteile relativ unzerstört vorliegen. Nachteile sind eventuell eingemischte, synthetische Zusätze und natürlich das fehlende Wasser.
Durch das Binden der Pflanzen(-reste) nimmt man den Tieren die Möglichkeit, nach ihrem Befinden bestimmte Dinge auszuwählen - eben zu selektieren. Das Kaninchen muss nun zwangsläufig alles fressen, was sich in einem Pellet/Block/Keks/Plätzchen/Kringel usw. befindet, egal ob es im gut tut oder schadet. Es kann sich nicht mehr dagegen entscheiden. Ist eine Komponente aus irgendeinem Grund ungeeignet (weil sie falsch gelagert, verwechselt oder schlecht geworden ist), muss das Tier sie trotzdem fressen - oder es hungert. Die meisten Vergiftungsfälle hängen damit zusammen, dass Tiere nicht mehr die Wahl hatten, etwas zu fressen, sondern gezwungen waren, das zu fressen, was noch vorhanden war. |
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Getreide ist schädlich.
Das Wildkaninchen Getreide fressen, wenn es zur Verfügung steht, ist allgemein bekannt. Wieso sollte es dann für Heimkaninchen schädlich sein?
Hafer ist z. B. eine alte Heilpflanze und wird selbst Säuglingen bei Darmstörungen gegeben. Weizenkleie wurde schon von Sebastian Kneipp als Heilmittel empfohlen. Sucht man in der einschlägigen Fachliteratur nach Erklärungen der heutigen Abneigung gegen Getreide, findet man lediglich den Hinweis, dass zuviel Stärke schädlich sei - aber das gilt ja genauso für den Menschen. Prinzipiell gilt das eigentlich für jeden Stoff, der über die Nahrung aufgenommen wird: Zuviel ist schädlich. Zum Problem wird die Stärke jedoch vor allem dann, wenn sie in fein zermahlener Form in Futtermitteln vorliegt, weil sie dann zum großen Teil im Blinddarm von Bakterien verwertet wird. Auch hier gilt: wird ein Futter wie Hafer in seiner natürlichen Form angeboten, entscheidet das Tier auch selbst über die Aufnahme. In ganzen Körnern gibt es noch zahlreiche andere, nützliche Stoffe, die dem Kaninchen und seiner Verdauung nutzen. Wird jedoch zuviel und ausschließlich Hafer angeboten, verfettet ein Tier. |
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10 simple Regeln für eine gesunde Ernährung von Kaninchen:
1. Die Nahrung von Kaninchen sollte vorwiegend aus frischen Gräsern und Kräutern bestehen.
2. Die frischen Gräser und Kräuter sollten möglichst rund um die Uhr zur Verfügung stehen (ad libitum), um erzwungene Fresspausen zu vermeiden.
3. Getrocknete Nahrung (Heu und natürliche, strukturierte Trockenfutter) sollte immer nur als Ergänzung der Hauptnahrung gesehen werden.
4. Meiden Sie Trockenfutter, deren Komponenten zerkleinert und zusammen gepresst oder gebacken wurden. Dazu zählen Pellets, Briketts, Kekse, Plätzchen, Kringel, Ringe - egal ob von der Industrie oder aus privater Hand. Meiden Sie grundsätzlich alles, was Mehle enthält.
5. Das Futter der Kaninchen sollte nur aus Pflanzen(-bestandteilen) bestehen, die es auch natürlicherweise frisst. Soja und exotisches Obst bzw. Gemüse muss ein Kaninchen nicht fressen, es gibt genügend einheimische Pflanzen und Früchte.
6. Samen, Körner und Früchte von Pflanzen wie zum Beispiel Erbsen(-flocken) sollten nur in geringen Mengen gefüttert werden. Für Wohnungstiere reicht ein Esslöffel dieser Produkte am Tag, für Tiere in Außenhaltung 2 - 3 Esslöffel am Tag.
7. Heu sollte zwar ständig zur freien Verfügung stehen, zwingen sie aber nie ein Kaninchen, es zu fressen. Enthält das Heu Giftpflanzen, Verunreinigungen, Schadstoffe oder ähnliches, muss es diese fressen, wenn nichts anderes zur Auswahl steht. Abgesehen davon, ist es als Hauptfutter auf Grund der Trocknung sowie des geringen Nähr- und Wirkstoffgehaltes nicht geeignet.
8. Ergänzen Sie das Futter im Winter mit frischen Kräutern aus dem Handel (Oregano, Thymian, Minze, Basilikum, Petersilie etc.) oder mit Grün vom Gemüse.
9. Stellen Sie immer ausreichend frisches Wasser zur Verfügung.
10. Wechseln Sie Futter und Wasser täglich aus. |
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Quellen:
IVH (2009): Der Deutsche Heimtiermarkt. Struktur & Umsatzdaten. Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e. V.
Rühle, A.; Stiess, V. (2010): Auch Hauskaninchen fressen sich gesund. Selbstmedikation durch Futterselektion. Kaninchenzeitung 15. S. 12-13. |
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