Der Vergleich zeigt die Eigenschaften von 3 verschiedenen Futtermitteln, die heute hauptsächlich für die Fütterung von Kaninchen eingesetzt werden. Trockenfutter als Hauptkomponente der Fütterung wird vorrangig von Züchtern und in der Masttierhaltung eingesetzt. Heu findet sich fast ausschließlich in der Heimtierhaltung und wird oft von Tierärzten, Dozenten und Tierschützern als Grundnahrung empfohlen. Frisches Grün dagegen wird eher skeptisch betrachtet und nur von wenigen, enthusiastischen Haltern und auch Züchtern in der Vegetationszeit als Hauptfuttermittel eingesetzt. Der Aufwand dieser Art Fütterung ist vergleichsweise hoch und birgt einige Risiken, die jedoch leicht beherrschbar sind.

Anmerkung: Im Buch ist bei der Projekterstellung ein Fehler unterlaufen. Das Komma in den Zahlenangaben für Kalzium ist dort um eine Kommastelle nach rechts gerutscht. Ich bitte, diesen Fehler zu entschuldigen.

  Pro Kontra
Trockenfutter (Pellets) - leicht zu beschaffen - nicht artgerechtes Futter
  - einfache Lagerung - Futterkonzentrat
  - Inhaltsstoffe bekannt - schnell sättigend
    - kurze Fresszeiten
    - unstrukturierte Rohfaser
  - niedriger Feuchtigkeitsgehalt

Heu - leicht zu beschaffen - bedingt artgerechtes Futter
  - einfache Lagerung - Inhalt unbekannt
    - Nährstoffgehalt unbekannt
    - Rohfasergehalt zu hoch
    - hoher Mineraliengehalt
    - niedriger Feuchtigkeitsgehalt
    - "Notnahrung"

Wiese (Kräuter, Gras) - artgerechtes Futter - nicht einfach zu beschaffen
  - Inhalt bekannt - bedingte Lagerfähigkeit
  - ausgewogener Nährstoff-, Rohfaser und Feuchtigkeitsgehalt - Ansteckungsgefahr

Betrachtet man die Vor- und Nachteile genauer, stellt man fest, dass die Vorteile bei einer Trockenfutter-/Heufütterung auf Seiten des Halters liegen, die Nachteile beim Tier.

Für frisches Grün liegen, bis auf eine Ansteckungsgefahr mit Myxomatose oder RHD durch kontaminierte Pflanzen, alle Vorteile beim Tier, die Nachteile des höheren Aufwandes beim Halter.

Die Ansteckungsgefahr mit Myxomatose ist jedoch als gering einzuschätzen - die Übertragung durch stechende Insekten ist viel wahrscheinlicher. Eine Impfung gegen Myxomatose ist nicht hundertprozentig sicher. Die Entscheidung, wer die Vorteile der Ernährung genießen darf, liegt beim Halter. Er sollte sie aber im Sinne des Tieres treffen.


In der Grafik wird unter anderem, grob vereinfacht und sinnbildlich, der Gehalt und die Struktur der Rohfaser in den verschiedenen Futtermitteln dargestellt. Damit soll ein Problem der heute üblichen Fütterung verdeutlicht werden.

In der Fachliteratur wird heute in der Futterration ein Rohfasergehalt von ca. 16% empfohlen. Dieser Wert wurde aus verschiedenen Versuchen mit Trockenfutter an mittelschweren Kaninchen gewonnen. Die Pellets enthalten Bestandteile, die in verschiedenen Produktionsprozessen klein gemahlen, durch Matrizen gepresst und anschließend auf Länge geschnitten werden. Im Magen und Darm der Tiere zerfallen diese Pellets wieder in ihre Bestandteile, die den Verdauungstrakt nur langsam passieren. Da die Rohfaser nur noch in sehr kleinen Fragmenten vorliegt, muss die Menge von 16% diesen Mangel kompensieren.

Arttypische Kaninchennahrung enthält Rohfaser in einer Menge von ca. 3 - 6%. Diese ist gekennzeichnet durch natürlich erhaltene (strukturierte) Rohfaser in einer angemessenen Menge.

Heu wiederum enthält bis zu 35% Rohfaser (und Mineralien wie Calcium in hohen Mengen). Der hohe Rohfasergehalt im relativ nährstoffarmen Heu schränkt die Verdaulichkeit auch anderer Komponenten ein und kann auf lange Sicht zu Mangelerscheinungen führen. Das ist der Grund, warum von erfahrenen Kaninchenhaltern und -züchtern das Heu mehr als Beschäftigung denn als Ernährungsgrundlage empfohlen wird.