Die folgenden Beschreibungen dienen lediglich der Information und dürfen auf keinen Fall den Tierarztbesuch ersetzen!

Kaninchen sind eigentlich recht robuste Tiere. Wenn sie sichtbare Krankheitssymptome aufweisen, ist das ein Grund, sofort aktiv zu werden und den Tierarzt aufzusuchen.

Die Informationen werden nach und nach ergänzt und beschränken sich auf die häufigsten Erkrankungen. Mehr Informationen erhalten Sie in dem Buch.


Allgemeines

Laut einer Studie des Instituts für Veterinärbakteriologie Zürich [Hoop et al. 2008] zählen folgende Krankheiten in absteigender Reihenfolge zu den wichtigsten in der Schweiz, so wie auch in anderen europäischen Staaten: Darmkokzidiose, Dysenterie, Leberkokzidiose, Mukoide Enteritis, Pasteurellose, Pneumonie, Rhinitis und Adipositas.

Sind Kaninchen gesund, zeigt sich das an ihrem Verhalten: sie fressen, laufen, sind aufgeweckt und neugierig, das Äußere ist unauffällig und sie niesen nicht. Als normalerweise dämmerungs- und nachtaktive Tiere sind für den Halter die frühen Morgen- und späten Abendstunden Gelegenheit, sich mit den Tieren zu beschäftigen und eventuelle Auffälligkeiten im Verhalten festzustellen.

Krankheiten, solange sie nicht infektiös sind, haben meist mehrere Ursachen - auch multifaktorelle Ursachen genannt. Selbst Krankheiten wie Kokzidiose oder ME (Mukoide Enteritis) haben meist mehrere verschiedene Ursachen, zu denen immer die Ernährung gehört. Sie legt den Grundstein für ein robustes Aufwachsen und ein starkes Immunsystem, das in der Lage ist, sich gegen Krankheitserreger zu wehren. Fehlen dem Körper Antikörper, die aus Proteinen gebildet werden, ist er gegen jede Form von Erkrankung anfällig.

Das Ausbrechen von Krankheiten ist abhängig von der Verfassung bzw. Konstitution des Tieres, der Krankheitsbereitschaft (Disposition) und dem Einwirken verschiedener innerer und äußerer Faktoren. Daraus erklärt sich auch, dass nicht unbedingt alle Tiere in einem Bestand erkranken müssen. Manche werden zwar infiziert, sind jedoch in der Lage, mit den Krankheitserregern fertig zu werden.

Faktoren für Erkrankungen können z.B. sein: das Alter, Erbfehler, stressbedingte Ursachen wie Geburt oder Absetzen, Haltungsfehler wie mangelnde Bewegung, schlechtes Klima, fehlende Wasserversorgung, unzureichende bzw. fehlerhafte Ernährung, schlechte Hygiene oder kranke, neue Tiere, die vorhandene infizieren. Normalerweise tragen viele Tiere Parasiten oder Bakterien in sich, ohne zu erkranken. Zwischen Tier und Erregern herrscht ein Gleichgewicht. Durch bestimmte Faktoren wie z.B. rasche Ernährungsumstellungen oder Stress kann dieses Gleichgewicht gestört werden und die Körperabwehr ist nicht mehr im Stande, sich der Erreger zu erwehren.

Hervorgerufen werden Infektionen durch Viren, Bakterien, Parasiten oder Pilzen. Seit einiger Zeit häufen sich auch Krankheiten bei Haltern, mit denen sich bisher eigentlich eher Züchter oder Massentierhaltungen auseinander zu setzen hatten. Hauptursachen sind oft Haltungs- und Fütterungsfehler.

Krankheitserreger

Viren als Krankheitserreger sind sehr kleine Zellparasiten ohne eigenen Stoffwechsel, die nur auf lebendem Gewebe gedeihen.

Bakterien sind Mikroorganismen, die in der Natur weit verbreitet und unter anderem bei Tier und Mensch an Verdauungsvorgängen beteiligt sind. Es sind kleine, meist einzellige Organismen, die keinen echten Zellkern besitzen. Für das Kaninchen sind bestimmte Bakterien unentbehrlich für den Aufschluss der Cellulose und der Synthese von Eiweißen, Aminosäuren und Vitaminen. Durch Bakterien und Hefen, aus denen der Blinddarmkot besteht, wird ein Teil des Eiweißbedarfs gedeckt und das Tier mit Vitaminen des B-Komplexes versorgt.

Pathogene (krankheitserregende) Bakterien bilden gewebeschädliche Toxine (Gifte) - ihr Anteil ist aber normalerweise begrenzt und ein gesunder Organismus verfügt über ein stabiles Abwehr- bzw. Immunsystem, das einer Vermehrung und Verbreitung pathogener Bakterien und Keime entgegenwirkt. Erst durch zusätzliche Faktoren (z.B. Fütterungsfehler), die dieses System schwächen, erfolgt die Ausbreitung und ein Überschwemmen des Körpers mit Toxinen, die die entsprechende Krankheit auslösen.

Protozoen ist eine veraltete Bezeichnung für tierische Einzeller, die keine Zellwand und im Gegensatz zu Bakterien einen Zellkern besitzen.

Pilze werden als eigenes Reich neben den Pflanzen und Tieren betrachtet und sind enger mit Tieren als mit Pflanzen verwandt. Sie sind Mikroorganismen, die in der Natur weit verbreitet sind und von denen einige Arten Erkrankungen hervorrufen. Die Sporen als Dauerform sind über Jahre vermehrungs- und infektionsfähig. Vor allem Schimmelpilze bilden giftige Stoffe (Aflatoxine), die Krankheiten verursachen können.

Parasiten werden je nach dem Aufenthalt im oder am jeweiligen Wirt (befallenem Organismus) zwischen Endo- und Ektoparasiten unterschieden: Endoparasiten leben im, Ektoparasiten auf oder an einem Organismus. Ein volkstümliches deutsches Wort für Parasiten ist Schmarotzer. Ektoparasiten sind beispielsweise Läuse, Zecken und Milben, ein Beispiel für Endoparasiten sind Kokzidien. Parasiten leben auf Kosten eines anderen Organismus. Dieser wird dabei normalerweise nie so weit geschädigt, dass er zugrunde geht, denn das würde dem Parasiten die Lebensgrundlage entziehen. Er schädigt aber den Wirt insofern, dass dieser an Wohlbefinden verliert und vor allem anfällig für Infektionen ist. Wirte sind normalerweise fähig, die Anzahl der Parasiten durch bestimmte Abwehrmaßnahmen in gewissen Grenzen zu halten. Ist der befallene Organismus jedoch auf Grund bestimmter Faktoren wie zum Beispiel Mangelernährung geschwächt, kann ein Parasitenbefall auch lebensbedrohlich werden.

 

Kokzidiose

Kokzidien (Coccidia) als Erreger der Kokzidiose sind parasitäre Sporentierchen, die intrazellulär in höheren Tieren leben. Sie kommen in verschiedenen Tierarten wie Hunden, Katzen, Kaninchen, Geflügel und Fischen vor und sind auch Bestandteil der normalen Darmflora. Entsprechend des Befalls von Organen unterscheidet man zwei Formen von Kokzidiose: die Darmkokzidiose und die Leber- oder Gallengangskokzidiose, wobei letztere eher selten vorkommt. Die Darmkokzidiose ist jedoch häufiger, kann vor allem Jungtiere treffen und ist eine typische multifaktorelle Erkrankung.

Kokzidien sind Endoparasiten, die sich im Körper ihres Wirtes vermehren und als sogenannte Oozysten, dem exogenen Stadium (außerhalb des Körpers) der Kokzidien, mit dem Kot ausgeschieden werden. Bei Anwesenheit von Sauerstoff und Feuchtigkeit werden sie keimfähig (Sporulation) und erlangen ihre Infektionsfähigkeit in Abhängigkeit von der Temperatur in 24 bis 72 Stunden. Vor Umwelteinflüssen geschützt werden sie durch eine Kapsel, so dass sie selbst kurzzeitig Temperaturen von über 60°C überleben können. Nimmt das Kaninchen (z.B. mit der Nahrung) die Oozysten auf, werden Sporozoiten (Parasiten im infektiösen Stadium) freigesetzt, die durch Gallensalze und Verdauungsenzyme aktiv werden und in die Darmschleimhautzellen eindringen. Dort erfolgt eine Teilung durch ungeschlechtliche Vermehrung. Durch die Besiedlung sterben die Schleimzellen ab. Normalerweise werden sie in einem Zeitraum von 5 - 6 Tagen wieder neugebildet. Werden jedoch durch einen starken Befall mehr Schleimzellen zerstört als sich regenerieren können, werden auch tiefer liegende Schleimzellen zerstört und somit die Schleimhaut geschädigt. Nach der ungeschlechtlichen folgt die geschlechtliche Vermehrung der Sporozoiten, woraus wiederum neue Oozysten entstehen.

Festgestellt wird die Krankheit durch die Untersuchung von Kotproben. Da die Oozysten nicht regelmäßig ausgeschieden werden, muss der Kot über einen Zeitraum von 2 - 3 Tagen gesammelt und untersucht werden. Die Erkrankung äußert sich in starkem Durchfall, der durch die Zerstörung der Darmschleimhaut auch blutig sein kann und säuerlich riecht.

Kokzidien sind wirtsspezifisch und können nicht auf den Menschen übertragen werden. Außerhalb des Wirtes können sie monatelang überleben - erfolgreich abgetötet werden sie durch länger einwirkende Temperaturen von über 80°C.

Von der Prophylaxe gegen Kokzidiose durch Futter mit einem beigemischten Antikokzidium wird verschiedentlich abgeraten, da es die Erreger resistent für eine Behandlung machen soll. Als probates Mittel zur Vorbeugung von Darmproblemen hat sich die gelegentliche Gabe von etwas Obst- oder Apfelessig in das Trinkwasser erwiesen. 2 Esslöffel auf einen Liter Wasser sind hierfür ausreichend. Behandelt wird Kokzidiose üblicherweise mit Antikokzidia wie Toltrazuril (Baycox®):
10mg Wirkstoff/kg KM; 1 x tägl. p.o.; 3 Tage Behandlung - 3 Tage Pause - 3 Tage Behandlung. In neueren Quellen wird der Behandlungszeitraum mit 2 Tage Behandlung - 5 Tage Pause - 2 Tage Behandlung angegeben, außerdem gibt es Erfahrungen, wonach bereits eine zweitägige Behandlung ohne Wiederholung ausreichend ist (Beck 2005).

Die 2,5%ige Lösung wurde speziell für Geflügel entwickelt, ist sehr alkalisch und wirkt deshalb stark schleimhautreizend. Für Kaninchen wird daher die 5%ige Lösung eigesetzt. Dosierung für eine 5,0%ige Lösung: 0,2 ml/kg Körpergewicht.

Verschiedene Medikamente zur Behandlung der Kokzidiose:

Sulfadimethoxin (Kokzidiol SD®)
40 mg/kg KM / 1,33g/Tier; oral (Futter, in Trinkwasser gelöst); Behandlungszeit 5 - 10 Tage

Sulfaquinoxalin (Nococcin®)
960 mg/l; oral; Behandlung bei Erkrankung: 6 ml/l Trinkwasser; Behandlungszeit 14 Tage

Sulfamethoxypyrazin (Davosin®)
25 mg/kg KM; oral; Behandlungszeit 3 - 5 Tage

Sulfathiazol (Eleudron®)
1 - 3ml; oral; Behandlung: 2x tägl. 8 Tage lang

Toltrazuril (Baycox®)
Behandlung bei Erkrankung: 25 mg/l (oder 0,2 ml/kg KM); oral (Trinkwasser); 2 Tage Behandl. - 5 Tage Pause - 2 Tage Behandl. oder 2 Tage Behandl. ohne Wiederholung

Diclazuril (Vecoxan®)
1 - 2 mg/kg; oral (Futter); Behandlungszeit mind. 6 Wochen

Da die Kokzidiose die Versorgung des Kaninchens mit Vitaminen des B-Komplexes (Blinddarmkot) beeinträchtigen kann, sollte mit einem Tierarzt über eine zusätzliche Gabe dieser Vitamine gesprochen werden. Als natürliches Vorsorge- und Heilmittel gilt z. B. Oregano (Wilder Majoran). Von Zinke (2004) wird in der Diät während der Kokzidiose auch Schöllkraut (grünes Kraut in kleinen Mengen) angeboten.

In der Fütterung können frisch gequetschter Hafer/Haferflocken, Leinsamen, Eichenzweige mit Blättern, Brombeerzweige mit Blättern, Heidelbeerpflanzen, getrocknete Kamillenblüten, Petersilie (mit Wurzeln), Pfefferminze, Thymian, Wermut, Scharfgarbe, Brennnessel, Weinrebenblätter, Löwenzahn uvm. eingesetzt werden (Zinke 2004). Ewringmann (2005) empfiehlt bei Darmerkrankungen aufgeschlossene Getreide wie Haferflocken und Zwieback als Energielieferanten bei akuten wässrigen Durchfällen, Möhren und Gemüse, Banane, strukturiertes Grünfutter (z. B. Möhrengrün, Kräuter) sowie Haferkleie. Von einer so genannten "Heu/Wasser"-Diät ist abzuraten, da sie das Tier zusätzlich schwächt. Heu muss zwar ad libitum zur Verfügung stehen, das Tier sollte aber nicht gezwungen sein, dieses fressen zu müssen.

Wir geben unseren Tieren im gesammelten frischen Grün gelegentlich auch Pflanzen wie Rainfarn und Schöllkraut, so dass sie die Möglichkeit haben, bei Bedarf unliebsame Schmarotzer selbst zu behandeln.

Quellen:

Beck, W.; Pantchev, N.; Praktische Parasitologie bei Heimtieren: Kleinsäuger - Vögel - Reptilien - Bienen; Schlütersche; 2005; ISBN 3-8999-3017-7

Ewringmann, A.; Leitsymptome beim Kaninchen: diagnostischer Leitfaden und Therapie; Stuttgart, Enke, 2005; 284 S; (Konkret-Kleintier-Praxisbuch); ISBN 3-8304-1020-4

Zinke, J.; Ganzheitliche Behandlung von Kaninchen und Meerschweinchen: Anatomie, Pathologie, Praxiserfahrungen; Stuttgart; Sonntag, 2004; ISBN 3-8304-9090-9

Dysenterie

Durch Viren oder Bakterien hervorgerufene, entzündliche Darmerkrankung, die vor allem bei Jungtieren auftritt. Hauptfaktoren für diese multifunktionelle Erkrankung sind eine falsche Ernährung der Jungtiere oder plötzliche Futterumstellungen und damit verbundener Vermehrung von Parasiten wie Kokzidien und Bakterien wie E. coli und Clostridien. Unter anderem kann auch eine zu rohfaserreiche Ernährung die Ursache für Durchfälle sein. Symptome sind ein starker Durchfall und Apathie. Das Gift der Bakterien schädigt den Kreislauf der Tiere, die bei einem schnellen Krankheitsverlauf an Enterotoxämie (perakut verlaufende Vergiftung durch Bakteriengifte) sterben. Bei einem langsamen Krankheitsverlauf kann die Behandlung mit einem Breitbandantibiotikum versucht werden.

Kaninchenschnupfen

Kaninchen in Außenhaltung erkranken seltener als Wohnungstiere. Beheizte Räume, trockene und/oder zugige Luft führen zu einer Reizung der Nasenschleimhäute. Begünstigt wird die Infektion durch eine schlechte Immunabwehr, die wiederum oft auf Fütterungsfehler zurückzuführen ist. Normalerweise atmet das Kaninchen nur durch die Nase und nicht durch das Maul. Wenn dies aber der Fall sein sollte, weist das auf Atemprobleme hin, die entweder an Hitze oder einer Erkrankung der Atemwege liegen können. Haupterreger des Schnupfens sind Pasteurellen, außerdem Bordetellen sowie Strepto- und Staphylokokken. Der Schnupfen äußert sich durch häufiges Niesen sowie Nasenausfluss. Problematisch ist die Behandlung, weil sich die Erreger in den Nasennebenhöhlen festsetzen und dort für Medikamente schwer erreichbar sind. Einmal infizierte Tiere können immer wieder erkranken. Deshalb ist die Stärkung des Immunsystems von großer Bedeutung.

Unbehandelter Schnupfen kann sich schnell zu einer Pneumonie (Lungenentzündung) auswachsen, die vor allem an deutlichen Atemgeräuschen erkennbar ist.

Mukoide Enteropathie (Darmlähmung, ME)

Für die Erkrankung gibt es verschiedene Bezeichnungen: mukoide Enterocolitis, Darmlähmung, Mukoide Enteropathie (ME), Seuchenhafte Enteropathie, bakterielle Enteritis, engl. Epizootic rabbit enteropathy (ERE). Sie ist kontagiös (ansteckend) und entsteht durch eine Belastung des Darmes (Entzündung) durch verschiedene Bakterien, insbesondere Clostridien, deren Ausscheidungen toxisch sind. Die genaue Ursache der Krankheit ist noch ungeklärt, wie bei vielen Infektionen spielen jedoch mehrere Ursachen eine Rolle. Es wurden verschiedene Clostridien wie C. perfringens Typ A und C; C. spiroforme, C. sardelli und C. piliformis isoliert, die von zentraler Bedeutung sind, weiterhin auch pathogene E.coli-Serotypen.

Die Krankheit ist seit dem Ausbruch Frühjahr 1997 in der französischen Region Rhone-Alpes bekannt. Innerhalb kürzester Zeit verbreitete sie sich vor allem in Zentren der Kaninchenfleischerzeugung in ganz Europa, griff schließlich auch auf Zuchtstätten und letztendlich auf Hauskaninchen über. In der Diskussion für die Krankheitsursache ist, neben anderen Faktoren, der Rohfasergehalt bzw. die Struktur der Rohfaser - also die Faserlänge und -zusammensetzung. Diese ist insbesondere bei der Fütterung mit Pellets durch die Zermahlung der Bestandteile nicht mehr oder nur noch unzureichend vorhanden. Desweiteren begünstigen zu hohe Rohfasergehalte in der Nahrung den Ausbruch von ME.

Ein weiterer Erklärungsversuch bildet eine zu eiweißreiche Ernährung, was aber der Nahrung der Wildkaninchen widersprechen würde. Sicher kann sie für Jungtiere ein Problem bis zu einem Alter von etwa 6 - 8 Wochen darstellen. Es sind also noch weitere Ursachenforschungen nötig.

Ist ein Bestand einmal betroffen, so verbleiben die Erreger nach bisherigen Erkenntnissen im Bestand, so dass die Enterocolitis immer wieder auftritt. Im Moment werden erkrankte Tiere mit einem stallspezifischen Impfstoff behandelt, der nach Einsendung von Kotproben und einer Diagnose auf ME hergestellt wird.

Encephalitozoonose (Schiefhals-Krankheit, Head Tilt)

Der Erreger Encephalitozoon cuniculi wurde in verschiedenen Säugetierspezies sowie Vogelarten nachgewiesen. Als Hauptwirt gilt das Kaninchen. Der Erreger wird über den Urin infizierter Tiere ausgeschieden. Ebenso wird eine Übertragung auf ungeborene Jungtiere in der Gebärmutter vermutet. Die Krankheitserscheinungen sind unspezifisch und stehen oft in Zusammenhang mit anderen chronischen Organerkrankungen (Nieren- und Augenerkrankungen, Erkrankung des zentralen Nervensystems). Typisch sind jedoch oft die schiefe Haltung des Kopfes sowie unkoordinierte Bewegungen. Da diese Erscheinungen auch bei anderen Erkrankungen auftreten, wird selten gleich die richtige Diagnose gestellt. Der Erregernachweis findet in den Zellen von Gehirn und inneren Organen statt, im Blut können die Antikörper gegen die Erreger nachgewiesen werden. Die Behandlung erfolgt mit Panacur®, Vitamin B sowie einem Antibiotikum.

Quelle:
Ewringmann, A.; Göbel, T.; Untersuchungen zur Klinik und Therapie der Encephalitozoonose beim Heimtierkaninchen; Kleintierpraxis; M. & H. Schaper; ISSN 0023-2076; S. 357 - 372; 1999

Pasteurellose

Häufiges Krankheitsbild der Pasteurellose ist der ansteckende Kaninchenschnupfen. Sie ist eine typische multifaktorelle Erkrankung, für deren Ausbruch mehrere Belastungsfaktoren verantwortlich sind. Die Erreger Pasteurella multocida sind auch bei gesunden Tieren in der Nasenhöhle und den Nasenschleimhäuten vorhanden, schlechtes Klima oder Zugluft aber schwächen die Immunabwehr, führen zu einer Ausbreitung der Erreger und somit dem Ausbruch der Krankheit. Sie äußert sich durch wässrigen, später eitrigen Nasenausfluss. Durch das Putzen sind auch die Vorderläufe verschmutzt. Hörbar ist das Niesen und eine erschwerte Atmung.

Ohne Behandlung sterben die Tiere nach 2 - 8 Tagen. Die Behandlung mit Antibiotika (z.B. Baytril®) kann eine Besserung der Symptome erreichen, die Tiere bleiben jedoch infiziert und eine Verschlechterung der Umgebungsbedingungen oder andere Belastungen wie Mangelernährung (z.B. fehlende Vitamine) kann sie jederzeit wieder ausbrechen lassen. Häsinnen geben die Erreger an die Jungtiere weiter, deshalb sollte mit infizierten Tieren auf keinen Fall Nachwuchs gezeugt werden.