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Kaninchen siedeln dort, wo sie ihre natürliche Nahrung vorfinden und Möglichkeiten zum Graben ihrer Baue, in denen sie den Großteil des Tages verbringen. Genügt jedoch der Lebensraum durch Veränderungen den Ansprüchen nicht mehr, wandert es ab. Als Kulturfolger findet man es bevorzugt in an den Rändern von Wiesen und Feldern, die durch natürliche Versteckmöglichkeiten wie Hecken und Wäldchen unterbrochen sind. In den Wäldern fehlt es fast völlig, ebenso in Höhen über 600 m. Zunehmend wird es auch in Städten zur Plage, wo es unter anderem in Parkanlagen und auf Friedhöfen zu finden ist. Immer ist es aber dort zu finden, wo es etwas Wichtiges gibt: ihre natürliche Nahrung. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Über die Nahrung der Kaninchen findet man, auch in älterer Literatur, viele Aufzeichnungen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Schließlich werden noch Vorlieben für verschiedene Gehölze beschrieben, die vor allem im Winter und Frühjahr durch das so genannte "Schälen" geschädigt werden. Bis auf Holunder wird keine Baumart verschmäht, beliebt sind in abnehmender Folge vor allem bei Laubhölzern Akazie, Weißbuche, Esche, Aspe (Espe, Zitter-Pappel), Roteiche, Rotbuche, Birke, Ahorn, Rüster (Ulme), Linde, Weide und Eiche. Unter den Obstbäumen werden in abnehmender Folge Quitte, Mispel, Apfel, Birne und Kirsche. Nadelgehölze werden nur dort geschädigt, wo es wenig Laubhölzer gibt: Fichte, Weymouthskiefer, Tanne und Kiefer. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Als bevorzugte Pflanzen werden in Boback (1970) (S. 55 - 56) junge Saaten, Klee, Lupine, Serradella und Esparsette, reifes Getreide, Rüben, Mohrrüben, Raps, Kartoffeln und junges Kartoffelkraut angegeben, ebenso wie Weinreben, Zierpflanzen und Stauden aller Art. Weiterhin wird aus Quellen der Verzehr von Nelken, Bovisten und selbst Fleisch erwähnt. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Turcek (1959) führt aus dreijähriger Beobachtung zahlreiche, von Wildkaninchen gefressene Pflanzen nach ihrer Bevorzugung auf und stellt fest, dass sich unter ihnen etwa 46% Heil- und Gift-, ölhaltige und bittere Pflanzen befinden. Besonders wird auf den Weißen Gänsefuß (Chenopodium album) verwiesen, dessen Öle eine wurmtötende Wirkung haben. Regelmäßig" und sehr häufig oder bevorzugt" befressen wurden Luzerne (Alfalfa), Rispenhirse, Gartenbohne, Roggen, Schafgarbe, Odermennig, Krause Distel, Gewöhnliche Wegwarte (Zichorie), Gewöhnliche Kratzdistel, Acker-Kratzdistel, Gewöhnlicher Feldrittersporn, Weißer Gänsefuß, Sichelklee, Kermesbeeren, Bibernelle, Windenknöterich, Gabel-Leimkraut, Schwarzer Nachtschatten, Große Brennnessel, Klee, Weizen, Mais, Beifuß, Echter Waldmeister, Wiesen-Flockenblume, Acker-Hornkraut, Zypressen-Wolfsmilch, Knöterich, Wiesen-Margerite, Gemeiner Rainkohl und Vogelmiere. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Auch hier wird über die Schäden an Kulturpflanzen geschrieben. Insbesondere wird auf Schäden an Luzerne und Bohne hingewiesen, die vor allem von Jungkaninchen angerichtet wurden, da sie eine eiweißhaltige Nahrung benötigen. Der im dortigen Habitat fehlende Anteil an Gräsern wurde durch den höheren Verzehr von Kulturgräsern (Getreide) wettgemacht. Beliebt waren besonders Distelarten auf Grund des hohen Eiweißgehaltes. Zucker- und Futterrüben sowie Kartoffeln wurden bei Dürre und Wärme benagt und sogar ausgegraben. Ebenso wie in Lincke 1943 wird das Verschmähen des Schwarzen Holunders festgestellt, dagegen ein Abfressen von Robiniensprossen im Frühjahr sowie ein Abschälen der Rinde vom Spindelstrauch im September konstatiert - beide Arten gelten als giftig. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Crawley (1990) beschreibt den Schaden in einem Weizenfeld, der zu einer Abnahme des Deckungsgrades von 90 auf 14% führte und das Frischgewicht der Ernte von 1487 g auf 98 g pro 0,25 m² sinken ließ. |
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Gaffrey (1954) berichtet von Kaninchen am Stadtkrankenhaus Dresden, die Knochen benagen und Fleisch fressen. Im Parkgelände wurde ein Haufen von ca. 75 - 100 kg ausgekochter Knochen von Rindern und Schweinen aufgeschüttet, an denen sich noch Knorpel, Sehnen und größere Fleischreste befanden. Dieser Haufen wurde von Tag zu kleiner, wobei nur wenige Knochen verstreut wurden. An den Spuren im frisch gefallenen Schnee ließ sich zweifelsfrei erkennen, dass Wildkaninchen als Urheber des kleiner werdenden Haufens anzusehen waren. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass in der Literatur weitgehend übereinstimmend über die Nahrung der Kaninchen berichtet wird, wobei die Zusammensetzung natürlich saisonal und geographisch bedingt ist. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Der Hauptteil der natürlichen Nahrung besteht demnach aus Grünpflanzen wie Süßgräsern und Kräutern. Der Anteil in der gesamten Nahrung beträgt dabei bis zu 3/4, bevorzugt werden die blättrigen Teile. Ergänzt wird das Spektrum durch Pilze, Wurzeln und Feldfrüchte. In der Vegetationsphase hält sich der Verzehr von trockenen, verholzten Pflanzenteilen in sehr engen Grenzen. Erst im Winter und Frühjahr nehmen die Schäden durch den Verbiss von Gehölzen zu. Reifes Getreide gehört zur Nahrung ebenso wie viele eiweißreiche Kleesorten, die besonders von Jungtieren gern genommen werden. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Die Bäume und Sträucher auf dem Grundstück werden besonders zum Ende des Winters/Anfang Frühjahr stärker durch Verbiss und Schälen der Rinde geschädigt. Je nach Bedarf wählen die Tiere aus dem Angebot der Wiese und dem zusätzlich zur Verfügung gestellten Futter aus. Trommelsucht, Dysenterie, Durchfälle, Kokzidiose oder ähnliche, auch durch Fehlernährung verursachte Krankheiten kennen sie nicht. Gelegentlich fressen sie auch als giftig eingestufte Pflanzen wie z. B. Scharfen Hahnenfuß, Schöllkraut oder Eibe. Vermutlich nutzen sie bestimmte Stoffe in den Pflanzen zur Selbstmedikation - denn "Gifte" sind in geringen Dosen oft auch Heilmittel. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Kaninchen wählen ihre Nahrung im großen Maße unter anderem nach der Schmackhaftigkeit aus. Die aufgenommene Menge an frischen Pflanzen kann dabei bis zur Hälfte des eigenen Körpergewichtes betragen. Das Grünfutter besteht in der Regel zu 60 - 90% aus Wasser, weshalb auch relativ große Mengen aufgenommen werden müssen (ein Grund dafür, dass Wildkaninchen keine Zahnfehler oder Verdauungsprobleme aufweisen, obwohl die Nahrung wenig Rohfaser enthält). Gras steht fast ganzjährig zur Verfügung, selbst im Winter lassen sich unter der Schneedecke Halme finden, die vom Schnee befreit die Nahrung der Kaninchen bilden. Weiterhin zählen, die ab Frühjahr wachsenden, (Un)-Kräuter zur Hauptnahrung. |
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Der Begriff "Unkraut" ist etwas strittig, zählt doch lediglich der ambitionierte Gärtner, der auf einen schönen Zierrasen großen Wert legt, gewisse Pflanzen zu den unerwünschten Gewächsen, die seine gärtnerische Ordnung stören. Neben Gras und Kräutern fressen sie die Blätter von Gemüse, Wurzeln, Rinde, Äste und Blätter verschiedener Bäume. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Da unsere Tiere weder mit Kalzinose, noch mit Trommelsucht jemals zu tun hatten, muss es eine Erklärung für dieses Phänomen geben. Deshalb ein Versuch der Erklärung bzw. Empfehlungen für den Umgang mit Grünfutter: | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Sind die Tiere ganzjährig an frische Pflanzen gewöhnt, wird der Beginn der Fütterung mit frischem Grün von der Wiese nicht sehr schwerwiegend sein. Es sollte aber trotzdem mit kleinen Mengen begonnen werden, da junge Pflanzen viel Eiweiß und wenig Rohfaser enthalten (eine Handvoll, im Zeitraum einer Woche auf zwei Handvoll steigern...). | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Geeignete Plätze zum Sammeln der Pflanzen sind z.B. Streuobstwiesen, abgelegene Grünflächen oder Ackerränder. Sie sollten nicht in der Nähe stark befahrener Straßen liegen. Außerdem sollte das Grün nicht von Wiesen kommen, die als Plätze für Hundehalter beliebt sind. Regennasses Sammelgut kann bedenkenlos verfüttert werden, es darf jedoch nicht längere Zeit liegen bleiben und anfangen zu gammeln. Wird das Gras gelagert, ist darauf zu achten, dass es nicht in der Sonne liegt oder im Inneren zu übermäßiger Wärmebildung kommt, da dadurch Gärprozesse in Gang gesetzt werden. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Auf dem Bild sind Grünpflanzen einer artenreichen Wiese zu sehen, die nach entsprechender Gewöhnung bedenkenlos an Kaninchen ad libitum verfüttert werden können: verschiedene Gräser, Weißklee, Rotklee, Hornklee, Löwenzahn, Schafgarbe sowie Spitz- und Breitwegerich. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Literatur | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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