Auch bei Fütterung mit frischem Grün und Gemüse muss Wasser ausreichend vorhanden sein - umso mehr gilt das bei der Fütterung mit Heu. Wasser spielt für das Kaninchen eine sehr wichtige Rolle - ohne Wasser überlebt ein ausgewachsenes Tier (temperaturabhängig) nur etwa 4 - 8 Tage, ohne irreversible Schäden davonzutragen. Ohne feste Nahrung und freiem Zugang zu Wasser kann es hingegen 34 Wochen überleben [Lebas 1986]. Im Vergleich dazu kann der Mensch max. 28 Wochen ohne feste Nahrung, aber mit ausreichend Wasser überleben. Das zeigt die enorme Wichtigkeit dieses Nahrungsmittels. Der Grund liegt in dem Einfluss des Wassers auf den gesamten Stoffwechsel.

Bei einer Temperatur von 20°C entspricht die Wasseraufnahme dem 2 - 2,5fachen der gefressenen Trockensubstanz [Schlolaut 2003].

Als Trinkgefäße eignen sich am besten schwere Näpfe aus Ton, die von den Tieren nicht so einfach umgeworfen werden können. Trinkflaschen sollten nicht benutzt werden, da sich in relativ kurzer Zeit Keime in dem Wasser bilden. Ein einfaches Auswaschen der Flaschen reicht nicht, um die Keime abzutöten oder zu entfernen, erst bei sehr hohen Temperaturen nach längerer Zeit werden sie zuverlässig unschädlich gemacht (20 min bei > 70 Grad Celsius). Vor allem im Sommer, wenn sich das Wasser erwärmt, ist die Entstehung pathogener Keime schnell möglich. Näpfe aus Ton können problemlos im Geschirrspüler gründlich gereinigt werden.

Eine wichtige Einflussgröße für die Wasseraufnahme bildet auch die Wassertemperatur - vor allem im Sommer. Steigt die Temperatur des Trinkwassers über 25°C, wird weniger getrunken. Im Sommer sollte das Wasser also täglich mehrmals gewechselt werden.

Es soll an dieser Stelle noch einmal darauf hingewiesen werden, dass bei einer Fütterung mit Heu in Verbindung mit einer geringen Wasseraufnahme die Gefahr von Stoffwechselkrankheiten wie Kalzinose sehr groß ist. Des Weiteren verringert sich die Futteraufnahme.

Wildkaninchen decken ihren Wasserbedarf über das frische Grün mit entsprechend hohem Wassergehalt, dem Tau an den Pflanzen, zur Verfügung stehenden Wasservorkommen wie Pfützen oder Bächen und reduzieren den Bedarf durch den Aufenthalt in kühlen Erdbauten. Auch Jungtiere benötigen Wasser ab dem Zeitpunkt, wenn sie feste Nahrung aufnehmen, da die Milch der Häsin den Flüssigkeitsbedarf dann nicht mehr decken kann.

Ein sehr großer Nachteil der getrockneten Nahrung wie Heu ist das fehlende Wasser. Durch die Trocknung gehen ca. 80% der ursprünglichen Feuchtigkeit verloren. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass diese fehlende Wassermenge auch nicht durch die freie Aufnahme von Flüssigkeit ausgeglichen werden kann. Brüggemann (1937) untersuchte an 5 erwachsenen Kaninchen der Rasse „Blaue Wiener" (3 - 5 kg) die Wasseraufnahme bei unterschiedlichem Futterangebot.

Bei zusätzlichem oder alleinigem Angebot von Saftfutter wurde kein Wasser mehr aufgenommen. Trotzdem war die Gesamtmenge konsumierten Wassers höher als bei den anderen Fütterungsarten. Die typische Fütterung der Kaninchen besteht heute entweder aus Trockenfutter oder aus Heu und Gemüse, wobei das Gemüse meist rationiert wird. Das heißt, dass diese Tiere vergleichsweise wenig Wasser aufnehmen. Eine Folge dieser Gegebenheit dürften ohne Frage Blasenprobleme sein, unter denen heute viele Tiere leiden (Blasenschlamm, Blasensteine).

Diagramm: Wasseraufnahme [ml/Tier/Tag] von Kaninchen bei unterschiedlichem Futterangebot ad libitum angeboten (nach Brüggemann 1937)

In einer Dissertation von Wenger (1997) wurde dieser Sachverhalt bestätigt. Untersucht wurde unter anderem die gesamte Wasseraufnahme über verschiedene Futtermittel und Tränke. Leider handelte es sich bei dem Saftfutter lediglich um Gras mit einem geringen Anteil an Kräutern, welches zudem über mehrere Tage im Kühlschrank gelagert wurde.

Diagramm: Wasseraufnahme [ml/Tier/Tag] von Kaninchen bei unterschiedlichem Futterangebot und Tränke (nach Wenger 1997)

Schwabe (1995) untersuchte in ihrer Dissertation ebenfalls an 5 Kaninchen mit einem Gewicht von ca. 4 kg die Wasseraufnahme.

Diagramm: Wasseraufnahme [g/kg KM/Tag] von Kaninchen bei unterschiedlichem Futterangebot ad libitum angeboten (nach Schwabe 1995)

Vergleicht man die über den Harn abgegebene Wassermenge, so zeigen sich erwartungsgemäß wesentlich höhere Werte bei der Gabe von Saftfutter - selbst wenn zusätzlich kein Wasser angeboten wurde. Überschüssige Mineralien wie Calcium werden mit dem Harn wieder ausgespült, erkennbar an einem trüben Urin, was völlig normal ist. Durch die geringe Harmenge erhöht sich jedoch die Calciummenge im Organismus - die Konzentration nimmt zu. Wird der Urin dickflüssig (schlammig), ist das ein untrügliches Zeichen für Blasenschlamm.

Unsinnigerweise wird heute immer noch ein so genannter "Heutag" von Haltern durchgeführt und gepredigt. Argumente sind eine angeblich notwendige "Darmspülung" oder der Zahnabrieb. Beide Argumente lassen darauf schließen, dass man über die Verdauung und Ursachen für den Zahnabrieb von Kaninchen nicht informiert ist.

Diagramm: Wasserabgabe über Harn & Kot [g/kg KM/Tag] (nach Schwabe 1995)

Richtig interessant wird das Ganze gemeinsam mit der jeweils aufgenommenen Menge an Calcium. Erfasst wurde sie im Vergleich der Fütterung mit Pellets + Wasser sowie mit Pellets + Saftfutter + Wasser.

Diagramm: Calciumaufnahme [g/kg KM/Tag] von Kaninchen bei Angebot von Pellets sowie Pellets + Saftfutter + Wasser (nach Schwabe 1995)

Wie Pellets ist auch Heu ein Trockenfutter - es besteht zu ca. 10% aus getrockneten Bestandteilen (Trockensubstanz) und einer Restfeuchtigkeit von ca. 10%. Auch wenn solche Futtermittel zusammen mit Wasser angeboten werden, ist die Gesamtaufnahme von Flüssigkeit relativ niedrig. Auch die ausgeschiedene Harnmenge ist vergleichsweise niedrig. Die aufgenommen Calciummengen sind fast doppelt so hoch wie mit Saftfutter, so dass hier sicher auch unter anderem Ursachen für Harnsteine oder Blasengries zu suchen sein dürfte.

Bein Erkrankungen der Harnwege und Blasengries/-steinen wird oft empfohlen, weniger Calcium und Nahrung mit einem hohen Flüssigkeitsgehalt zu füttern. Dieser Logik folgend, müsste man also eigentlich das Heu weglassen (oder die Pellets). Relativ calciumhaltige Frischpflanzen bilden ein geringes Risiko, da das überschüssige Calcium auf Grund der hohen Flüssigkeitsgehaltes der Pflanzen wieder ausgespült wird. Bestimmte Mengen an Calcium werden von den Tieren unbedingt benötigt.

Die Empfehlungen zur Behandlung von Blasengries sind im übrigen bereits zur Vorbeugung überaus sinnvoll - denn warum muss ein Tier erst erkranken, um es dann artgerecht zu ernähren?

Die beiden Würfel zeigen einen Vergleich zwischen der gesamten, aufgenommen Menge an Nahrung, wenn ein Kaninchen Heu oder frisches Grün frisst. Die unterschiedliche Größe der Würfel - also das Volumen - ist nur bedingt durch das Wasser, hat aber auf eine Vielzahl von Prozessen in der Ernährung Auswirkungen. Dazu zählt neben dem Calciumstoffwechsel auch der Nahrungstransport.

Quellen:

Brüggemann, H.; Ausnutzungsversuch an Kaninchen als Grundlage neuzeitlicher Kaninchenfütterung; Biedermanns Zentralbl. für Agrikulturchemie und rationellen Landwirtschaftsbetrieb; Abt. B: Tierernährung 6; 374; 1937

Lebas, F.; Coudert, P.; Rouvier, R.; de Rochambeau, H.; The Rabbit: husbandry, health and production; FAO; Rom; 1986

Schlolaut, W. (Hrsg) in Zusammenarbeit mit Lange, K.; Das große Buch vom Kaninchen; 3., erw. Aufl.; Frankfurt am Main; DLG-Verl., 2003; 488 S.; Ill., graph. Darst.; 25 cm; Literaturverz. S. 475 - 486; ISBN 3-7690-0592-9

Schwabe, K.: Futter- und Wasseraufnahme von Heimtieren verschiedener Spezies (Kaninchen, Meerschweinchen, Chinchilla, Hamster) bei unterschiedlicher Art des Wasserangebotes (Tränke vs. Saftfutter); Hannover; Tierärztl. Hochsch., Diss.; 1995

Wenger, A.; Vergleichende Untersuchungen zur Aufnahme und Verdaulichkeit verschiedener rohfaserreicher Rationen und Futtermittel bei Zwergkaninchen, Meerschweinchen und Chinchilla; Hannover, Tierärztl. Hochsch., Diss.; 1997