Eine Besonderheit des Kaninchens ist das "Kotfressen", auch Koprophagie genannt.

Im Vergleich zu anderen Tierarten ist der Blinddarm des Kaninchen sehr groß - ca. 40 - 45% der Gesamtkapazität des Verdauungstraktes [Schlolaut 2003] und somit größer als der Magen. Wie andere warmblütige Tiere und auch der Mensch verfügt das Kaninchen über keine Enzyme, die die Gerüstbestandteile der Pflanzen (Zellulose) aufschließen könnten. Diese Aufgabe übernehmen Bakterien, die den Blinddarm als Fermentationsraum benutzen. Mit ihrer Hilfe wird die Zellulose über eine Dauer von bis zu 12 Stunden zu einem leichtverdaulichen, vitaminreichen Brei umgesetzt. Entsprechend seiner Herkunft bezeichnet man ihn als Blinddarmkot (Coecotrophe), auf Grund seines Inhaltes auch als Vitaminkot bzw. auf Grund seiner Konsistenz als Weichkot. Im Aussehen unterscheidet er sich deutlich vom normalen Kot. Der Blinddarmkot besteht aus zusammenhängenden, annähernd runden Gebilden, die traubenförmig zusammenkleben. Er ist weich, glänzt, hat einen charakteristischen sauren Geruch und wird leicht mit Durchfall verwechselt. Aufgenommen wird er direkt vom After, so dass dieser Vorgang vom Halter meist unbemerkt bleibt.

In der Literatur wird oft beschrieben, dass dieser Blinddarmkot unzerkaut geschluckt wird, nach [Selzer 2000] und eigenen Beobachtungen jedoch wird er gelegentlich auch gekaut. Dieser Kot ist reich an Vitaminen des B-Komplexes und Vitamin K. Durch den Aufschluss der schwer verdaulichen Kohlenhydrate entstehen flüchtige Fettsäuren, welche ihm den charakteristischen Geruch verleihen und die den Energiebedarf des Kaninchens bis zu 20 - 30% decken können. Er ist von einer Schleimhülle umgeben, die zum großen Teil aus Bakterien, Mucoprotein sowie Vitamin B12 zusammensetzt ist und im Magen bis zu 6 Stunden völlig erhalten bleibt. [Schley 1985]. Die Aufnahme des Weichkotes ist etwas völlig normales, artgerechtes und wird als Caecotrophie bezeichnet. In älteren Quellen findet man den Begriff Koprophagie (Kot fressen).

Die Zusammensetzung des Blinddarmkotes ist unabhängig von der Zusammensetzung der Futtermittel, da der Bakteriengehalt im Darm konstant bleibt. Besonders die Menge der Trockenmasse des "Recycling"-Kotes ist unabhängig vom Fasergehalt der Futtermittel, denn je höher der "grobe" Inhalt bzw. Anteil des Futters und/oder die gröberen Partikel, desto schneller wandern diese durch den Verdauungstrakt. [Lebas 1997]

Bei Energiemangel wird der gesamte Blinddarmkot aufgenommen. Je weniger Protein und mehr Rohfasergehalt in der Futterration enthalten ist, umso größer ist die aufgenommene Menge an Blinddarmkot.

Das, durch die Caecotrophie genutzte, Bakterienprotein kann den Tagesbedarf eines Kaninchens an essentiellen Aminosäuren nicht decken. [Fekete 1993]

Wird das Tier an der Aufnahme des Blinddarmkotes gehindert, stirbt es nicht daran. Da er an der Verdauung anderer Nahrungsbestandteile beteiligt ist, sinkt jedoch die Ausnutzung der Nährstoffe und hat geringere Gewichtszunahmen zur Folge. Ebenso sinkt die Ausnutzung von Vitaminen, wenn sie nicht in ausreichender Menge durch das Futter zugeführt werden.[Schley 1985] Des weiteren kann durch den Blinddarmkot eine gewisse Zeit von Wassermangel überbrückt werden.

Mittlerweile werden dem Blinddarmkot leider auch von Tierärzten geradezu "mystische Kräfte" zugeschrieben. So ist zum Beispiel auf den Seiten einer im Web publizierenden Tierärztin sinngemäß zu lesen, das Kaninchen wäre in der Lage, mit Hilfe der Coecotrophe aus der Cellulose sämtliche essentielle Nährstoffe zu ziehen, die es benötigt.

Solche Aussagen sind falsch.

Sie werden u. a. dazu benutzt, die Heu-/Gemüsefütterung "schön" zu reden/schreiben. Das Kaninchen verwertet Rohfaser, also Cellulose, im Vergleich zu anderen Tierarten wie z. B. Pferden relativ uneffektiv. Es vermag Notzeiten damit überbrücken, aber auf Dauer sind die Nährstoffe aus dem Blinddarmkot natürlich nicht ausreichend - bestimmte, essentielle Nährstoffe kann es zudem überhaupt nicht synthetisieren.